Einblicke

Einblick in aktuelle Arbeiten:


Nachdem ich so häufig nach einer Fortsetzung der Geschichte "Eine Scheidung wider Willen" gefragt werde, ist es nun soweit: Ich arbeite derzeit daran.
Nochmals ein paar Zeilen aus dem 3. Kapitel ...



© moerschy pixabay.com


Andreas klingelte, während ich mich am Treppengeländer festkrallte und nach Luft rang. Das würde definitiv meine letzte Schwangerschaft sein, so viel stand mal fest.
Steuerberater Lücke persönlich öffnete uns die Tür. Er trug kein Jackett, sondern weißes Hemd, rote Krawatte und dazu passende Hosenträger, die eine feine graue Nadelstreifenhose hielten. Klapperdürr, wie er so dastand, brauchte er die Hosenträger, vermutete ich. Ich hörte auf, nach Luft zu schnappen und zauberte unter Aufbietung aller guten Restlaune ein sehr hübsches Lächeln auf mein Gesicht. Lücke drückte mir mit erstaunlicher Energie ziemlich zu feste meine Rechte.
„Oh, ist Ihnen nicht gut?“, fragte der Steuerkanzler unempathisch und mein Lächeln gefror ein bisschen.
„Wieso?“, fragte ich zurück, und in mir rumorte es zunehmend reizbar.
„Sie sind etwas blass um die Nase, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf.“
Durfte er nicht, aber ich sagte überaus freundlich: „Keine Sorge. Es geht mir gut. Aber ein Glas Wasser hätte ich gern.“ Was ging den an, warum ich eventuell blass um meine Nase war? Meine Blässe – meine Nase! Während wir Platz nahmen vor dem mächtigen alten Schreibtisch und Herr Lücke ein Glas Wasser holte, riskierte ich schnell einen Blick in meinen Taschenspiegel. Von Blässe keine Spur, befand ich zufrieden, lehnte mich zurück und versuchte, mich zu entspannen. Ich griff fast gierig nach dem herein schwebenden Glas Wasser und trank es in einem durstigen Zug leer.
Herr Lücke begann in den Unterlagen von Andreas zu blättern, nachdem er mit ihm zwei, drei Sätzchen schmal getalkt hatte. Die kannten sich wohl länger, stellte ich fest. Ich langweilte mich. Wieso war ich denn überhaupt mit hierher gekommen, fragte ich mich. Es ging nicht um meine Steuererklärung, die war längst beim Finanzamt. Vielleicht wollte Andreas ja die Hausbau- oder Hauskauffrage mit dem Steuerberater erörtern und mich dabeihaben? Das wäre ein feiner Zug. Vielleicht bekämen wir ja Informationen, die Andreas von der Machbarkeit einer solchen Unternehmung überzeugen könnten? Meine Stimmung stieg ein wenig.
„Tja, Herr Martens, wenn man so gut verdient wie Sie, fallen natürlich auch reichlich Steuern an“, erklärte Herr Lücke eine bereits lange bekannte Tatsache. „Sie müssten mehr Kosten geltend machen.“
Jetzt wäre doch der rechte Zeitpunkt, dachte ich, dass Andreas die Haus-Geschichte ansprach. Innerlich scharrte ich mit den Hufen wie ein Rennpferd in der Startbox … Aber nichts dergleichen geschah. Mein Ex-Gatte saß neben mir, rieb sich das Kinn, wie immer, wenn er vertieft nachdachte, und sagte schließlich: „Ich lebe ja mit meiner geschiedenen Frau wieder zusammen …“ – Was kam denn jetzt? Ich spitzte die Ohren.
„… es müsste doch möglich sein, dann wieder in die Steuerklasse 3 zu kommen, oder?“
Für einen kleinen Moment herrschte absolute Stille im Büro. Die Zeit schien stehengeblieben zu sein, nichts rührte sich. Dabei schaute Herr Lücke über den Rand seiner Brille direkt in die Pupillen von Andreas, dann zu mir und wieder zu Andreas. Sein Kugelschreiber fiel auf das Papier, und plötzlich warf sich der gertenschlanke Steuerberater in seinem schwergepolsterten Ledersessel hintenüber – und lachte schallend.
Ich spürte, wie mir ganz warm wurde …

Soweit - so gut ... Ich halte euch auf dem Laufenden!


Foto von unsplash (GB) at pixabay



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