Sonntag

Erwischt wie eine Frühlingsliebe - Fortsetzung I





Foto by BarmaleyOdessa pixabay.com


Wieder Musik zu machen ist mir weiterhin eine große Freude, auch wenn die Verzweiflung derzeit manchmal immer noch gleich neben der nächsten Note liegt. Ich schrieb ja in meinem ersten Blogpost von  "Erwischt wie eine Frühlingsliebe"  darüber, wie ich wieder zur Musik kam. Hier nun folgt die weitere Entwicklung seit August 2016:

Ui ui uiii, wenn die Dinge mal ins Rollen kommen, dann laufen sie nicht selten so rasch, dass man sich fürchten könnte, überrollt zu werden...
Nachdem ich eine Morino VI M zum Üben bekommen hatte, wurde es sehr ernst. Mit meinem Üben zu Hause und auch mit der Frage, wann ich denn vorspielen werde. Parallel dazu suchte ich weiterhin händeringend nach einem passenden und finanzierbaren Instrument.
Am 16. August 2016 fuhr ich dann nach vielen Übungsstunden abends zum Vorspielen. Ich erlebte erneut eine starke Glückswelle, als ich danach zurück nach Hause fuhr, denn ich durfte ab diesem Tag sowohl im Unterhaltungsorchester als auch im Hauptorchester mitspielen.
Über die ersten Proben will ich mal kein Urteil zu meiner Spielkunst fällen. Manchmal erschienen mir die Noten wie fremdartige Wesen, Pausenzeichen, Tempobezeichnungen und Vorzeichen tanzten vor meinen Augen irgendeinen wilden Tanz. So übte ich daheim mit und ohne Metronom, hörte mir die Musikstücke auf youtube oder CD an und merkte, dass es ganz allmählich besser wurde.

Rein körperlich wurde es nach der ersten Probe aber etwas leichter, denn ich durfte die doch recht schwergewichtige Morino VI M gegen die kleinere, sprich leichtere Ausgabe einer Morino V tauschen, die mir der Spielerkollege einfach so auslieh. - Ich stelle fest, dass meine Rückkehr zur Musik offenbar unter einem sehr glücklichen Stern stehen muss. Mit so viel Unterstützung hatte ich nicht gerechnet. 
Auch die Suche nach einem passenden Instrument hatte schneller als gedacht ein Ende. Ich fuhr schon Ende August in den Harz, um dort eine Morino VS ausprobieren. Ich kaufte sie und fuhr überglücklich damit nach Hause. Zwar musste ich zweimal mit ihr in die Werkstatt, und einmal überließ ich sie einem Spielerkollegen, der das Instrumentenbauen beherrscht, zur finalen Reparatur, aber inzwischen ist sie sehr gut spielbar.

Dass ich gleich beim wichtigsten und sehr beliebten Jahreskonzert des Orchesters mein Debüt haben durfte, sorgte für reichlich Ansporn, viel zu üben, um immer besser zu werden. Ende November, am 1. Advent, war es dann schon soweit. Wir spielten ein fantastisches Konzert... es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wieder mit dem Orchester auf der Bühne zu sitzen und Musik zu machen. Von dieser Atmosphäre kriege ich, wie früher schon, einfach nicht genug.



Man sieht, dass es Spaß macht ;-)

Und ich bin ein bisschen stolz darauf, dass es mir gelungen ist, das Konzertrepertoire innerhalb von nur etwas über 3 Monaten abgesehen von ein paar Unsicherheiten ganz gut spielen zu können. Zwar bin ich mit meiner Kunst keineswegs schon da angekommen, wo ich mich hin wünsche, und es wird noch einiges an Übungsarbeit notwendig sein, um an meine frühere Leistung anzuknüpfen, aber das wird gelingen. Ich weiß das ganz einfach, denn Übung hat sich in der Musik für mich immer ausgezahlt. Übung ist Vorbereitung auf die Proben, und die  Probenarbeit ist Vorbereitung auf die Konzerte. 

Ich habe inzwischen meine Schwachpunkte im Spielen gut erkannt und mir gezielt die entsprechenden Etüden ausgesucht, um konzentriert daran zu arbeiten. Dabei habe ich auch gemerkt, dass da etwas in mir ist, das mich - verflixt und zugedingst! - noch oft blockiert. Vermutlich ist es immer noch ein Hang zum Perfektionismus? Aber so etwas verkrampft, und dann läuft nichts.
Hin und wieder lasse ich aber auch ganz los, und dann laufen die Finger einfach und kennen ihren Weg. So etwas in dieser Art sagt der Dirigent hin und wieder, wenn wir proben: „Lasst die Finger einfach laufen, die wissen, wohin sie müssen.“ Wenn ich mir diesen Satz ins Gedächtnis rufe, tief durchatme und wieder spiele, dann wird diese Blockade schwächer und meine Finger laufen.
Zurzeit wünsche ich mir, die Schwächen durch weitere Übung abzubauen und die Blockierung schlicht zu vergessen. Das gelingt mir am ehesten, wenn ich vermehrt lausche und fühle und mich der Musik hingebe. Das gelingt mir auch schon häufiger bei den Proben, wenn ich das Stück gut kenne und auf die anderen höre, wenn ich nicht mehr angespannt zähle, wann ich einen Einsatz habe, sondern spüre-höre, wann es soweit ist, mich wieder in den Chor der anderen einzureihen.


"Rocky" in ganz besonderer Atmosphäre...

Musik ist Emotion, ist Leidenschaft, und wer so ein Musikstück wie "Rocky" aus dem gleichnamigen Film in jener besonderen Atmosphäre des Konzertsaals miterleben konnte, versteht, was ich meine.

Nun haben wir Januar 2017... neues Jahr, und wir haben die Probenarbeit wieder aufgenommen. In der Zeit seit dem Jahreskonzert habe ich sehr viel Filmmusik gehört, wunderschöne, packende Musik, von ich mir vorstellen kann, dass sie mit unserem Orchester sehr gut klingen könnte... Ich bin gespannt, wie es musikalisch in diesem Jahr mit mir und mit den Orchestern vorangeht.
Und ich werde berichten... ;-)





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Angelika Fleckenstein
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