Dienstag

Buchvorstellung: Zimmer mit Seeblick - Erzählung aus den 80er Jahren




Cap Arcona...

eine Geschichte, die unter die Haut geht


Zu dieser Erzählung kann ich dem Autor nur gratulieren. Sie 'schleicht' sich so ganz allmählich ein und gewinnt immer mehr Tempo, sie bricht Zusammenhänge auf, bevor es schließlich sogar 'handfest' (im wahrsten Sinne des Wortes, S. 56) zugeht. die Beschreibung der von ihr real erlebten Vorgänge geht ziemlich unter die Haut, hat mich mitgenommen, schockiert, und es tröstet am Ende nicht, dass sie es ja überlebte.Im Gegenteil: Ich fühlte mich wie Strandgut, angeschwemmt von den schrecklichen, weit zurückliegenden Ereignissen an ein Ufer der Gegenwart, wo die Dinge gerade auch immer gefährlicher werden...

Dies Erzählung schlägt eine große Brücke aus der schlimmen Vergangenheit, von der alle immer glauben möchten, sie sei für alle Zeiten überwunden, in die Jetztzeit, wo sich wiederholen könnte, was einst zu diesem Wahnsinn mit der Cap Arcona führte. Und ich bete in der Tat, dass hier doch er Menschen seinen Verstand gebrauchen und sein Wissen aus der Erfahrung nutzen möge.

Insbesondere dieser Abschnitt macht schlagartig hellwach...


Zitat: "Dass wir im Glauben an das Richtige das Falsche tun. In was für einem Kollektiv auch immer. In einem französischen, englischen oder deutschen Kollektiv. Hitler und Stalin haben wir ja nun schon hinter uns. Aber, was kommt dann? Für das Kollektiv der mehr oder weniger guten Steuerzahler, mitverantwortlich für Waffenschiebereien und Kriegsanzetteleien demokratisch gewählter Regierungen. Was wird auf uns kommen, die wir zwar nicht töten wollen, es aber, strukturell gesehen, schon länger tun. Wer sich heute für unschuldig hält, ist es nicht mehr."
... oder sollte es zumindest.

Anfangs ist der Erzählstil etwas gewöhnungsbedürftig. Ich habe die Erzählung zwei Mal laut gelesen. Dadurch bekam das Ganze einen Rhythmus, der die Eindringlichkeit des Erzählten erheblich zu verstärken vermochte.
Bravo, Herr Momber! Diese Geschichte gehört meines Erachtens auch vertont.

(A. F. 5. Juli 2016)


Der Autor Eckhardt Momber erzählt von diesem Ereignis nicht als Tatsachenbericht, sondern erfindet eine Liebesgeschichte, die sich in einem bekannten Seebad abspielt. Ein Sommergast lernt eine Angestellte des Fremdenverkehrsvereins kennen, und es kommt zu einem Krieg auf den ersten Blick…

Zimmer mit Seeblick

Erzählung aus den 80er Jahren


von

Eckhardt Momber


mit einem Gemälde von Gregory Forstner

Es nähert sich der 71. Jahrestag des Untergangs der Cap Arcona.
Tatsächlich hatte ich den Namen des Schiffes wohl gehört, nie jedoch etwas von der Tragödie gewusst, die sich in den allerletzen Kriegstagen in der Lübecker Bucht ereignete. Erst durch das Buch des Autors Eckhardt Momber, das ich bearbeiten durfte, erfuhr ich von den schrecklichen Ereignissen am 23. Mai 1945.
Auf der Cap Arcona (und einem weiteren deutschen Schiff, der Thielbek) waren insgesamt etwa 7.000 KZ-Häftlinge untergebracht. Britische Bomber flogen Angriffe auf die Passagierschiffe. Da diese mit Bordwaffen ausgerüstet waren, hielt man sie für Schiffe mit Truppenverbänden der deutschen Wehrmacht. Ein entsetzlicher Trugschluss. In zwei heftigen Angriffswellen wurden die Schiffe bombardiert. Aufgrund der geringen Wassertiefe sank die Cap Arcona nicht.
Die Häftlinge ertranken in der nur 8° C kalten Ostsee, konnten nicht ans rettende Ufer schwimmen, verbrannten oder wurden erschossen. Nur etwa 400 von ihnen überlebten das grausame Spektakel.


„Zimmer mit Seeblick“ – Eine Erzählung aus den 80er Jahren ist erschienen bei EDITIONS MAUREL als Paperback, Hardcover und eBook unter nachfolgend genannten ISBNs.
978-2-9553085-1-6 (Paperback 8,90 EUR)
978-2-9553085-2-3 (Hardcover 15,90 EUR)
978-2-9553085-4-7 (eBook 4,90 EUR)
verlegt bei tredition GmbH Hamburg


Über den Autor: Eckhardt Momber ist 1941 in Berlin geboren, hat 1980 als Lehrbeauftragter und Teilzeitassistent an der Freien Universität Berlin über Kriegsliteratur promoviert und für den Rundfunk geschrieben. 1983 ging er für 20 Jahre nach Japan, um in Kyoto deutsche Sprache und Literatur zu unterrichten. Seit 2004 lebt er im Norden des französischen Südens auf dem Land und schreibt Schüsse in Dombrowskis Bauch, Köln 1981; Loisaida in: New York; Die Welt noch einmal, Düsseldorf 1982; ‘s ist Krieg! ‘s ist Krieg! Versuch zur Literatur über den Krieg 1914 – 1933, Westberlin 1981; Dieses Japan ist auf der Reise, Erinnerung an Bruno Taut, Kyoto 1991 (Foreign Languages und Literatur Series No. 18); Scheiterndes Gelingen, Zu Wolfgang Koeppen, Stuttgart Weimar 2000(Lili Sept. 2000); Alles geht nämlich unterirdisch vor sich, Zu Fontanes Effie Briest (Das verschlafene 19. Jahrhundert? Herausgegeben von Hans-Jürgen Knobloch und Helmut Koopmann, Würzburg 2005; Chinamesser, Eine Erzählung, Berlin 2006; Nostalgie de la Barbarie (Gregory Forstner, The Ship of Fools, Grenoble/Berlin 2009); La Nouvelle Ondine, Editions Maurel 2015


(Foto des Autors: Nina Grützmacher)
  
Der Maler des Titelbildes: Gregory Forstner ist 1975 in Douala in Kamerun geboren, als Sohn einer französischen Mutter und eines österreichischen Vaters. Er
studiert an der Akademie für angewandte Künste in Wien und in
der Villa Arson in Nizza. Im Jahr 2008 erhält er vom Ministerium für französische Kultur ein Stipendium für einen einjährigen Aufenthalt in New York. Wo er sich niederließ und bis heute lebt. Er malt wie er lebt und wie er liebt: Ganz, ohne Kompromisse.
In Paris ist seine Arbeit durch die Galerie Matthias Coullaud und in Berlin durch die Galerie Kromus u. Zink vertreten. Seine letzte
Monographie, The Ship of Fools, ist vom Verlag für moderne Kunst Nürnberg und vom Museum Grenoble herausgegeben. Im Jahr 2014 stellt er seine Arbeit im Collège de France anlässlich des Colloquiums „Die Fabrik der Malerei“ vor, unter anderen mit Jeff Koons und Glenn Brown. Im Oktober 2015 veröffentlicht er „L’Odeur de la Viande“ in der Editions Esperluètes, ein Sammlung von Texten, die den Ursprung und die persönliche Mythologie seines Werks erkennen lässt.




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