Freitag

Achterbahn - Das große Glück im Datingportal?


[Leseprobe]


Halb sieben rückte immer näher und meine Unruhe wuchs. Na, was soll's, überlegte ich, schlimmstenfalls gefallen wir einander nicht. Dann plaudern wir bei einem Glas Kölsch und jeder geht hinterher wieder seinen Weg.
„Rose im Knopfloch“, fiel mir noch ein, als ich schon auf dem Weg zur Schildergasse war. Modo hatte so was erwähnt, damit ich ihn erkenne. Februar? Rosen? Wenn überhaupt, dann sündhaft teuer! Ich lächelte im Dunkel des Winterabends vor mich hin.
Es war kalt. Wenigstens regnete es nicht mehr. Wenn wir Glück hatten, konnten wir trockenen Fußes zum Rhein runterlaufen und ein Stück spazieren gehen.
Die Schildergasse war durch die hell erleuchteten Schaufenster gut zu überschauen. Wo sollte ich mich hinstellen? Vielleicht war er schon da? Meine Augen suchten die Gegend um die steil aufragende Betonsäule ab, die man Bierbrunnen nennt. Weit und breit kein Gesicht zu entdecken, das dem Modos auch nur im Entferntesten ähnelte. Und obendrein war ich unsicher, wo ich mich am besten postieren sollte, damit er mich auch sah.
Wieso war der überhaupt noch nicht da? Ich guckte auf die Uhr. Mhm, na ja! Es war knapp nach halb sieben. Doch lieber kam ich dahin, wo mich ein Mann bereits erwartete. Vielleicht auch ein blöder Gedanke. So stand ich vor dem H&M-Laden, weil ich fand, dass es dort am hellsten war, und wartete. Eine Viertelstunde würde ich warten, wenn er bis dahin nicht erschienen wäre und sich auch nicht meldete, hätte er geloost.
Dann kam er... nur Sekunden später. Dunkler Kurzmantel, Jeans, ein höchst markantes Lächeln und ein verschmitzter Seitenblick aus lebendigen, wachsamen Augen. Dieser Blick wirkte flüchtig, aber er war sehr aufmerksam und erfasste meiner Meinung nach blitzschnell, was er zu erkennen wünschte.
Ich reichte ihm steif meine Hand. – So was Bescheuertes! Immer diese ersten Begegnungen! Er lächelte und gefiel mir sofort.
„Rose war nicht“, sagte er. „Aber hier ...“, er nestelte etwas Langstieliges aus dem Ausschnitt seiner Jacke. „... ich hab wenigstens diese gekriegt.“

Das Langstielige entpuppte sich als Plastikmohnblume. Ich lachte und freute mich über den Gag. Modo war ein Scherzkeks! Er brachte mich zum Lachen, und das gefiel mir sehr…

"Achterbahn" erschienen bei tredition
108 Seiten
978-3-7495-5206-0 (Paperback 9,00 EUR)
978-3-8495-0260-7 (Hardcover 14,80 EUR)
978-3-8495-5058-5 (eBook 9,00 EUR)