Freitag

Neu erschienen: SOKRATES - Europäer der ersten Stunde - Ein Lebensbild

Der Autor, Wilhelm Berndl (Studiendirektor a.D.), bringt uns "SOKRATES", den Philosophen der Philosophen, äußerst lebendig nahe. Dieses Buch gehört in die Hand jedes Menschen, der am Leben und all den vielen Fragen, die es oft aufwirft, interessiert ist, denn Sokrates dachte zu seiner Zeit im 5. Jh. vor Christus über vieles nach, was heute noch und wieder sehr aktuell ist.
Das Buch ist durch meine "Lektoratskantine" gegangen, und ich hatte die Ehre, dieses Werk mehrfach lesen zu können. Mich hat die Arbeit an diesem Buch geradezu begeistert, denn es vermittelt einen sehr frischen, lebendigen und neuzeitlichen Sokrates. Dieser Philosoph scheint mit seinen Ansichten unsterblich in alle Zeit, und jeder Mensch kann sich an seiner Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit ein Beispiel nehmen!




Leseprobe; Die Einleitung:
Sókrates, Athener, Begründer der attisch-griechischen Philosophie[1] - wie wohl keiner darf er für sich in Anspruch nehmen, Symbolgestalt dessen zu sein, was Abendland heißt. Was wäre Europa, in seinen geistigen Dimensionen begriffen, was wäre unsere europäische Gedankenwelt ohne diesen Griechen des 5. Jh.s v. Chr., ohne seine Philosophie, seinen unbedingten Erkenntnisdrang? Europa minus Sokrates gleich null. Europäisch denken heißt, sokratisch denken: eine Charakteristik gewiss formelhaft zugespitzt, gewagt plakativ. Und doch mag man ungern darauf verzichten: Sie hebt den Mann in eine einsame, unvergleichliche Höhe, wie es seinem Verdienst und geistigen Rang entspricht.
Manche gehen sogar noch darüber hinaus und wollen in Sokrates’ Leben eine Parallele zu Auftreten und Wirken des Jesus von Nazareth sehen. Fragen wir unbefangen, was es mit dem Vergleich auf sich hat, wenn er denn mehr ist als Ausfluss einer fast religiösen Verehrung und Huldigung. Nehmen wir seine Lehre: Wir kennen sie nur indirekt, aus zweiter Hand, durch Äußerungen und Darstellungen seiner Schüler und Freunde, vor allem Platons und Xenophons. Von ihm selbst gibt es keine einzige Zeile, nichts schriftlich Fixiertes.
Ebenso gilt: Er ist zum großen Anreger geworden. Überkommenes und Gewohntes, Alltägliches und Selbstverständliches in Den-
ken, Wollen und Handeln hat er radikal infrage gestellt. Dass ihm viele darin nicht folgen wollten und konnten, dass sie mit Feindseligkeit und Hass antworteten, wo sie aufgefordert waren, die eigene Position kritisch und vorurteilsfrei zu überdenken - auch dies ist konstitutiver Teil seiner Vita.
Nicht zuletzt ist er sich, seinem geistig-ethischen Ich stets treu geblieben, ob genehm oder nicht, bis zum Tod. Ja, bis zum Tod. Auch dies mag als Vergleichsmoment seinen guten Sinn haben. Der Tod, willkürlich verhängt und gewaltsam herbeigeführt und doch bewusst und aus freien Stücken angenommen, besiegelt ein Leben, das in seiner Kompromisslosigkeit zum großen Ärgernis geworden ist. Man darf wohl, ohne ungebührlich hoch zu greifen, ein Wort der Bibel zitieren: Die Bauleute haben den Eckstein verworfen.
Die vorliegende Studie hat sich vorgenommen, diesen Mann, schon immer Gegenstand großen Staunens und ungläubiger Bewunderung oder fundamentalen Widerspruchs und rigoroser Ablehnung, biographisch zu erfassen und im Nahbereich menschlicher Erfahrung zu sehen, was wirklich an ihm ist. Nichts schwieriger als dies. Vergleichbares existiert in der Antike nicht, wenn man nicht das Allerlei von Fakten und Aussprüchen, von Diógenes Laértios[2] kunterbunt und oft kritiklos zusammengetragen, dafür nehmen will.
Biographisch Gesichertes lässt sich nur sehr sporadisch eruieren. Die vorhandenen zeitgenössischen Zeugnisse, nicht eben wenige, verwirren mehr, als dass sie klären. Sie sind in sich wenig vertrauenswürdig, zum Teil gegenteiliger Natur, zeugen vor allem von einer Rezeptionsgeschichte, die nicht uneinheitlicher sein könnte. Dass, davon abgesehen, die Legende vielfach das Feld behauptet, wie bei allem, wo der Mensch scheinbar Übermenschlichem, Rätselhaftem begegnet und damit klarzukommen versucht - fast schon erwartet und nur konsequent. Beklagenswert spärlich gesät die Stellen, wo nicht Lessings „garstiger Graben“ zwischen Glauben und Geschichte dräut.
Wenigstens eines mag erreicht werden. Die Grundlinien des Lebens und Denkens dieser Jahrhunderterscheinung sollen sich klar abzeichnen. Nicht verdrießen soll es dabei, wenn Historisches und Geschichtsfremdes immer wieder miteinander im Wettstreit liegen. Die Ranken des Legendenhaften, nicht Verifizierbaren, Mythischen können bisweilen den klaren Blick verstellen. Dem Stamm selbst vermögen sie, noch so üppig wuchernd, nichts anzuhaben. Vielmehr mag es angehen, in all dem, wo nicht der Weltgeist unmittelbar zu uns zu sprechen scheint, ein notwendiges Beiwerk zu sehen, ja, es als untrüglichen Fingerzeig zu nehmen für die historische Größe und Zeitlosigkeit des so Umrankten, Verdunkelten und Verklärten.
In ihrer zeitlosen Gegenwärtigkeit also mag sich, so die Intention der Arbeit, die Gestalt des Sokrates lebendig darstellen und zur bestmöglichen Wirkung gelangen. Das ist doch wohl auch die einzige Möglichkeit, seinem philosophischen Anliegen einigermaßen gerecht zu werden, bei aller Zeitgebundenheit des äußeren Werdegangs, des physischen und geselligen Lebens und Wirkens. Wer befürchtet, es sei die Idealisierung eines menschlich-irdischen Wesens unter Aufbietung hagiographischer Eitelkeiten beabsichtigt, also der Versuch, es auf die eine oder andere Art von seinen Unvollkommenheiten zu befreien, dem sei in Erinnerung gerufen, dass sich ein solches Verfahren bekanntlich dort von selbst erledigt, wo die in Rede stehende Person noch allen Zeiten als Mensch von einmaliger Idealität vor Augen stand und steht, nicht zuletzt als Musterbild bewährt ist, als „Inbegriff der Sehnsucht nach Vollkommenheit“[3].
Nicht Sokrates also, dem Mann der Geschichte, der objektiven Wirklichkeit, wollen wir in erster Linie begegnen, sondern, mit Goethe zu reden, um „den inneren Menschen“ in seiner Unvergänglichkeit und Vorbildlichkeit, wenn es denn sein soll, seiner idealen Seins-
weise, wollen wir uns bemühen, um uns von ihm ergreifen und vereinnahmen zu lassen. Ihm mögen zuvörderst unsere Aufmerksamkeit und unser hauptsächliches Interesse gehören. Das Gesagte vorausgesetzt, mag auch der durchgehende Gebrauch des Präsens als Darstellungsprinzip für Vergangenes durchaus sinnvoll und angemessen erscheinen.





[1] Es ist üblich, alle griechischen Denker, die Sokrates vorausgehen, in ihrer Bedeutung eben durch das zeitliche Moment hinreichend definiert und eingestuft zu sehen. Man bezeichnet sie als Vorsokratiker.
[2] Diogenes Laertios, griech. Schriftsteller, schrieb um 220 n. Chr. eine Art Geschichte der Philosophie in zehn Büchern. Sein Werk mit dem nicht authentischen Titel „Leben und Meinungen der bedeutenden Denker und Sammlung der Lehren der philosophischen Richtungen“ ist eine wichtige, allerdings oft unkritische Quelle für die Geschichte der alten Philosophie.
[3] Philosophisches Wörterbuch, herausgegeben von Georgi Schischkoff, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1982........................

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