Dienstag

Menschen und Straßenverkehr

Gedanken am frühen Morgen unterwegs mit dem Rad zum Job...
Das ist echt zum Kotzen! Da fährste auf dem Radweg, hältst dich an die Verkehrsregeln und dann parken die mit den vier Rädern unterm Hintern ihre Benzinkutschen auf – klar doch! Auf dem Radweg!
Wie selbstverständlich springen sie aus ihren Blechkisten, öffnen schwungvoll die Autotür ohne zu schauen, dass ich da angefahren komme, gucken noch blöde, wenn man ihnen einen fragenden Blick zuwirft und ziehen ihrer Wege. Würden die eine Sprechblase überm Kopf tragen, stünde da zu lesen: Scheiß Radfahrer!
Okay, über meiner Birne hängt dann stets eine Blase mit „Scheiß Autofahrer“, logo!
Sind aber nicht nur die Autofahrer, die einem als umweltbewusstem Radler das Leben schwer machen. Was sag ich? Schwer? Lebensgefährlich! Nämlich die Fußgänger! Achtung, Verletzungsgefahr! Diesen Schriftzug sollten Fußgänger auf einer Armbinde tragen, leuchtendrot, damit wir Radfahrer sofort rot sehen im wahrsten Sinne des Wortes. Vorsicht ist geboten vor verschlafenen Zweibeinern, die unvermittelt zwischen zwei Autos, die an der roten Ampel auf die Grünschaltung warten, hervorgetorkelt kommen, in die verkehrte Richtung linsen und dann beim Kreischen meiner Bremsen erschrocken stehen bleiben. Plötzlich erwacht aus der morgendlichen Träumerei stammeln sie ein verlegen-verwirrtes „t'schuldigung“ und suchen rasch das Weite.
Zehn Meter weiter fluche ich etwas lauter als beabsichtigt. "Blöde Fußgänger! Nachtwächter! Tagträumer! Blindfische!" Ein Radfahrer - schätzungsweise mittelpubertären Alters - vor mir guckt über die Schulter. Die Augen noch verquollen von der viel zu kurzen Nacht an der Spielekonsole.
Die Ampel ist noch grün. Aber leider komme ich an dem nicht vorbei. Der fährt so elendig langsam, dass er kaum auf dem Rad sitzen bleiben kann. Völlig aus der Balance trödelt er schwankend nach rechts und wieder nach links. Wäre viel zu gefährlich, mich an dem vorbei zu mogeln. Außerdem: die Ampel zeigt mittlerweile rot. Ist also eh wurscht.
'Na warte, Bürschchen', denk ich und kneife meine Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. Wenn die Ampel sich anschickt grün zu werden, düs' ich an dir vorbei, dass du nur noch einen Kondensstreifen siehst, verpennte Göre!
Kann der Gedanken hören?
Er dreht sich nämlich um und schaut mich böse aus dem Augenwinkel an. 'Wat will die denn?' scheint er zu denken. 'Scheiß Schule. Fuck! Ich bin müde, ich will Ferien.' Wie 'ne Sprechblase, nä? Ist mir aber ganz egal. Die Ampel springt auf grün und bevor der Knilch das geschnallt hat, bin ich an ihm vorbei. Siehste, Schülerlein! So geht das! Und endlich, endlich, endlich hab ich freie Fahrt zum Job!
So ärgere ich mich an manchem Morgen mehr oder weniger über Rüpel, Trödler und Träumer im Straßenverkehr, ganz gleich ob mit vier oder zwei Rädern unterm Allerwertesten.
©2007 by af