Mittwoch

Engelstränen



wenn ein engel tränen weint
die welt zu versinken scheint
jede träne ist ein edelstein
wird auf erden ewig sein

wenn ein engel tränen weint
das herz zerbrochen scheint
der augen glanz verschwunden
die seele arg geschunden

der tränen bald genug geweint
ein engel dann getröstet scheint
die sonne wieder vom himmel lacht
die seele wieder heil gemacht

und findest du einen edelstein
dann kannst du sicher sein
ein engel hat ihn geweint
damit sein licht in dein herz scheint

heilen wird es deinen schmerz
besänftigen das trauernde herz
licht bringt es in dein leben
nach liebe wirst du streben


© September 2007 by af


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Dienstag

Mr. George Clooney

Jeden Morgen laufe ich den Weg vom Heumarkt die Schildergasse hinauf zu meinem Büro. Die Schildergasse ist sonst unheimlich voll mit Menschen auf dem Weg vom oder zum Shopping. Vor der Ladenöffnungszeit allerdings sind dort bis auf ein paar noch unausgeschlafene Zeitgenossen auf dem Weg zum Job, zur Uni oder zur Schule beinahe nichts los.
Jeden Morgen erwartet mich dort ein Mann. Ein Mann, von dem man sagt, er sei außergewöhnlich männlich und wirke enorm erotisch. Ein Charmingboy erster Klasse! – Na, auf jeden Fall ein Star und meistens Single: George Clooney.
Ich gebe ja zu, er hat was – irgendwie. Sanfte Augen, das Grübchen am Kinn, ein smartes Lächeln um die Mundwinkel und einen Blick... ja, auf Papier! Er klebt zwischen Esprit und Sportscheck auf einer Holzwand und wirbt... für... ich weiß es gar nicht. Ein Foto von der Kamera produziert und auf Papier gedruckt. Eingerollt, aufgerollt und mit Kleister auf das Holz gepappt, noch ein, zwei mal mit dem Quast drüber gekleistert, damit er nicht von der Wand rutscht und fertig! Und das Lächeln vergeht ihm dabei nie.
Wie kann der ewig so gucken, frage ich mich. Immer der gleiche unbewegliche Ausdruck mit dem angedeuteten Lächeln. Vielleicht ist auch das Lächeln angekleistert, sinniere ich, als ich auf ihn zugehe. Und ich gucke heute mal genauer hin, versuche, ihm in die Augen zu schauen. Aber der guckt ja gar nicht richtig. Ich kann ihm nicht in die Augen sehen. Ich versuch es wieder und wieder, ich lächle sogar, aber – nix. Da pappt er auf der Holzwand und glotzt: smart, sanft und charmant.... doch er erreicht mich nicht.
Hinter ihm hat man das Haus mit einem Gerüst verstellt, vorne eine Plane vom Dach bis zum Boden gezogen und von drinnen ertönt täglich ein Höllenlärm. Wie hält George Clooney das aus?
Auf einer Seite des Gerüstes fehlt ein Stück Plane und da stehen Bauarbeiter herum, lässig ans Geländer gelehnt, sie rauchen und quatschen. Sie gucken, ich gucke. Sie lächeln, ich lächle auch. Aber ich lächle nicht wegen ihnen, sondern immer noch von meinem Clooneyanlächelnversuch. Einer der Arbeiter winkt freundlich, ich nicke. Dann reden sie miteinander, einer pfeift von da oben herunter und dann lachen sie alle, als ich mich umdrehe und mitlache. Clooney lacht nicht mit, klebt stumm und reglos an der Holzwand.
Das auf dem Gerüst oben, das war lebendig: Staubverdreckte fleißige Arbeiter bei einer Morgenzigarette auf dem Baugerüst, die einer Frau hinterher gucken und sich amüsieren – worüber auch immer. Ich geh mit einem amüsierten Lachen weiter.
Georgieboy verblasst durch Wind und Wetter allmählich auf seinem Plakatpapier. Täglich wird er transparenter. Er muss trotzdem immer smart, sanftäugig in die Kameralinse gucken, auf der Holzwand kleben und Tag und Nacht verweilen. Lächelnd. Kein bisschen lebendig, nur mit Kleister plattgeklebtes Papier, wie eine Tapete.
Armer George Clooney. Ob er gern ein Arbeiter auf dem Baugerüst wäre? Lachend, locker, lebendig?          [©2007 by af]

Die Baustelle war irgendwann verschwunden. Keine Ahnung, wann. Jedenfalls fehlte auch die Holzwand und natürlich der unablässig lässig lächelnde Georgieboy Clooney. Abgerissen, abgekratzt? Wie auch immer.
Ich dachte, nun ist er erlöst von seinem Plakatedasein in der Schildergasse, aber... ACHTUNG: CLOONEY is back!
Ahnungslos tapse ich vor ein paar Tagen aus der Hohe Straße in die Schildergasse und fühle mich urplötzlich beobachtet. Wie denn? Wo denn? Was denn? - Aha! Aus der ersten Etage gleich über einem Uhren-Schmuck-Geschäft lächelt mich smart ein überaus sympathischer Mann an. Sanfte braune Augen, dieses gewisse Etwas im Blick, das Grübchen am Kinn, das ganz dezent angedeutete Lächeln. Mhm mhm, durchaus mein Typ. Und dann erkenne ich ihn: GEORGE CLOONEY is back!!! Nun trägt er eine Omega-Uhr... (trägt er sie wirklich auch im ganz realen Leben???)
Jetzt klebt er hinter Glas. Sauber, ganz und gar glatt hinter einer großen Fensterscheibe. Sicher geschützt vor der Unbill des Wetters und den diversen Hitze- und Kälteschüben unseres Breitengrades blickt er scheinbar wieder jede und jeden mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck an. - Und kaum einer nimmt ihn wahr.
Immerhin hat er es eine Stufe nach oben geschafft und seine Situation verbessert, stelle ich vor mich hin grinsend fest. Zwar kann er immer noch nicht mit den Männern von der Baustelle auf dem Gerüst einen Kaffee trinken (aber er trinkt ja ohnehin „Nespresso“..., und die Jungs auf'm Bau haben so eine Maschine nicht) und leider kann er keine noch so hübsche Frau mit mehr als seinem unnachahmlichen Lächeln ansprechen..., sofern ihn eine da oben entdeckt. Aber er bleibt dort zumindest trocken, gleichmäßig warm und - grinsend wie eh und je an der Scheibe pappen. Ich finde immer noch, dass er schaut, als würde er gern etwas anderes lieber tun...       [© 2009 by af]

Aktueller Nachtrag: Clooney ist umgezogen! Er thront jetzt – immer noch erste Etage – nebenan. Uhren-Schmuck ist wohl out (vielleicht hat er keinen neuen Werbevertrag erhalten?). Jetzt jedenfalls lächelt er bei „Nespresso“... - ob John Malkovic da auch „wohnt“? Ich werde berichten, wenn ich es in Erfahrung gebracht habe.     [© 2011 by af]



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Blick zurück mit einem Lächeln - endlich!


Es ist nicht einfach, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Es geht nicht, einfach zu sagen: vorbei ist vorbei, denn manches holt uns immer wieder ein, wiederholt sich.
Es geht, wenn man Schmerzvolles doch noch einmal erinnert, fühlt und - loslässt.
Und so fühle ich mich heute freier denn je. Endlich ist Frieden in mir mit allem und jedem.
Ich blicke zurück mit einem Lächeln, ich erinnere das Gute, Schöne und Liebevolle, was das Leben mir bisher schenkte.
Ich schaue nach vorn, kremple gedanklich meine Ärmel hoch und mein Blick wird zuversichtlich und entschlossen, wenn ich an die Herausforderungen ebenso wie das Gute, Schöne und Liebevolle denke, das mich erwartet... es ist spannend...

... und der Blick ist so weit --->>> ... gute Aussichten...



© 2011 by af


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Samstag

Die Sonne im Eierbecher







"Für dich...", mit diesen Worten erhielt ich gestern dieses kleine Geschenk überreicht.
"Dankeschön", sagte ich und fühlte dieses wunderbare Prickeln von Freude in meinem Bauch. "Das ist ja ein Stück Sonnenschein..."
Für ein so kleines Blümchen gibt es leider keine Vase in meinem Haushalt. Ich nahm also einen Eierbecher, füllte ihn mit Wasser und setzte das Gänseblümchen hinein. Den ganzen Tag erfreute ich mich am Strahlen dieses kleinen Sonnenscheins. Gestern Abend schlossen sich die zarten Blütenblättchen wie zum Schutz über den goldgelben Blütenkern, so als wollte das Blümchen schlafen... Heute früh schien am Himmel leider keine Sonne. Der Himmel war bedeckt.
Auf meinem Tisch jedoch strahlte die Sonne im Eierbecher in Gestalt eines hübschen Gänseblümchens, dessen Blütenblättchen um den leuchtend gelben Kern sich wieder entfaltet hatten. Ich habe das Gefühl, Petrus schaute heimlich durch mein Fenster. Sicher hat er gelächelt wie ich... und schiebt nun seit einer Stunde die Wolken am Himmel beiseite.
Jetzt scheinen zwei Sonnen um die Wette - die große am Himmel und meine kleine im Eierbecher. In diesem Sinne wünsche ich allen einen sonnigen Tag - draußen und drinnen!


[© 2011 by af]


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Montag

(M)ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit

 
Drei wesentliche Faktoren beeinflussten meine persönliche Entdeckung einer inneren Freiheit:

  1. Nein sagen
  2. Sokrates
  3. Vertrauen im Angesicht aller Möglichkeiten

Vielleicht könnte ich sagen, dass das Finden der eigenen Mitte dieses unbeschreibliche Gefühl von Freiheit vermittelt? Vielleicht ist es auch umgekehrt? Dass man nämlich aus dem Gefühl der Freiheit ein Empfinden der Mitte verspürt? Mitte mitten im ganzheitlichen Sein?
Au weia! Das ist ja vielleicht kompliziert. Es ist tatsächlich schwierig, dieses Gefühl in Worte zu fassen. Außerdem ist es meine ganz subjektive Erfahrung, und ich muss einschränkend anmerken, dass mit 100 %iger Sicherheit jeder Mensch anders empfinden wird. Wird er, und ist es wirklich so kompliziert? Merken Sie was? Ich stelle meine eigenen Überlegungen in Frage...
So hat das einmal angefangen. Hinzu kam, dass ich meinem Gefühl folgte, wenn es mir Zweifel einflößte, ob ich etwas wirklich will oder nicht. Dazu muss ich sagen, dass ich den allergrößten Teil meines Lebens zu jenen Menschen gehörte, die in vorderster Reihe »hier« schrien, wenn es um die Verteilung dicker Verantwortungspakete ging. Verantwortung? Bitte hier zu mir! Ich kann alles, schaffe alles und werde es erledigen, noch bevor jemand überhaupt den Wunsch geäußert hat. Hellsehen war auch so eine wunderbare Fähigkeit, zu der ich irgendwann einfach keine Lust mehr hatte. - Ich spürte immer mehr Widerwillen und fragte mich, ob nicht auch andere etwas tun können und ob denn wirklich ich immer das einzig Richtige zu tun wusste. Und so lernte ich allmählich nein zu sagen. Und wissen Sie was? Es tat mir gut.
Andere Situation: während ich mich meistens bei manchem Problem in Spekulationen und Vermutungen verstrickte, die mir das Hirn zermarterten und seelisches wie körperliches Unbehagen verursachten, fand ich für bestimmte Fragen keine Antworten. Im Spekulieren und Phantasieren kreiste ich mutwillig um mich selbst, ohne zu schlüssigen Erkenntnissen zu gelangen. Das führte so weit, dass ich mich sogar darin versuchte, für andere zu denken, um sie berechnen zu können. Dabei unterstellte ich ihnen dies und das, meist Negatives. Ich wollte immer auf den nächsten Schlag vorbereitet sein, jedem potenziellen Angreifer zuvor kommen. Ich nahm Geschehnisse vorweg, erwartete nicht das Beste und handelte oft voreilig getreu dem Glauben: wenn ich es nicht tue, wer dann? Leider zerstörte ich dabei z.B. Beziehungen, die bei anderer Betrachtungs-, Denk- und Handlungsweise durchaus eine Chance gehabt hätten zu werden.
Ich begann, meine endlosen Denkwirbel zu unterbrechen, indem ich zunächst einmal nein! sagte und damit den Wirbel stoppte. Dann begann ich, mir jeweils die Gegenfrage zu stellen, meine Überlegungen in Zweifel zu ziehen oder ich schickte sie gar ins Land der Absurditäten. Es macht wirklich Spaß, Sie sollten es mal versuchen.
Woher rührt denn da das »unbeschreibliche Gefühl von Freiheit«? Ja, ja ich komme schon noch darauf, Sie müssen sich schon gedulden bis zum Schluss.
Also nein sagen war der Anfang. Das braucht Übung. Das braucht auch ein bisschen Mut. Ab und zu stoßen wir nämlich, ob wir wollen oder nicht, jemandem damit vor den Kopf, wenn wir nein sagen. Aber meine Befürchtung, dass dann der- oder diejenige das Weite sucht und mich verflucht, die trat nicht ein. Es kam fast immer ganz anders. Ja, es entwickelte sich sogar hinterher positiver als zuvor.
Ich empfand zunächst einmal Freiheit darin, überhaupt jederzeit die Wahl zu haben.
Mit den Gedanken ist das ebenso. Was sind Gedanken anderes als bloße Konstrukte unserer (manchmal) blühenden Phantasie? Sicher hat jeder schon die Entstehung von Gedanken aus Gedanken erlebt, oder? Eigentlich haben wir unseren Verstand als Kontrollinstanz; er tritt immer nur dann in Aktion, wenn wir ihn einschalten wollen oder müssen. Hin und wieder ist das notwendig, und ich muss hier nicht auf Einzelheiten eingehen. Wenn unser Verstand aber übermächtig agiert, weil die Kommunikation mit der Bauchzentrale unterbunden wird, entstehen diese grässlichen, gefährlichen Gedankenkarussells, denen nur schwer zu entrinnen ist. Also halten Sie Ihren Verstand in Schach! Der darf nur reden, wenn er gefragt wird!
Ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mich nur auf das beschränken kann, was ich wirklich weiß. Was ich wirklich kenne, sind meine Gefühle in einer Angelegenheit und ein paar klar vor Augen stehende Fakten. Mehr nicht. Der Versuch, auch für den oder die anderen denken oder gar entscheiden zu wollen, muss kläglich scheitern. Wir sind alle Individuen, jeder einzigartig. Vor allen Dingen aber sind die anderen ganz anders als ich.
Müsste ich eigentlich zu den oben genannten Punkten noch die »Akzeptanz des Andersseins« hinzufügen. - Aber ich will ja hier kein Buch schreiben, sondern nur einen ganz kleinen Ausschnitt dessen, was für mich zu diesem phänomenalen Freiheitsgefühl führt.
Da sind wir wieder beim Thema. Und Sie drängeln immer noch, um dahinter zu kommen, wie das funktioniert. Halten Sie die Füße still, ich komme noch zum Schluss.
Mit dem »nicht wissen können« landete ich beim alten Sokrates.
Zitat: »Ich weiß, dass ich nichts weiß.«
Vielleicht kennen einige von Ihnen den Spruch. Früher mal hab ich drüber gelächelt und dachte, na ja, der olle Philosoph konnte zu seiner Zeit schließlich nicht alles wissen. Aber es braucht wohl mehr Auseinandersetzung mit den Worten dieses wirklich weisen Philosophen, um den Satz in seiner Gesamtaussage zu verstehen.
Ich empfehle Ihnen folgende Übung: wenn Sie mal gedanklich um ein Problem kreisen, das Sie mit einem anderen Menschen oder System haben, sagen Sie sich genau den Satz. »Ich weiß, dass ich nichts weiß.« Beobachten Sie, was in Ihnen passiert. Ich sage Ihnen aber auch gleich, dass das nicht auf Knopfdruck funktioniert, sondern Übung braucht.
Der Satz jedenfalls durchbricht nach dem Nein-Sagen zunächst mal den emotionalen Stress oft sinnloser Grübelei wohltuend, das werden Sie bemerken.
Wie? Sie fühlen sich deswegen jetzt nicht freier? Hab ich gesagt, dass ich hier ein Patentrezept anbiete? Nein, wir bleiben hübsch bei meiner ganz persönlichen Erfahrungs- und Betrachtungsweise...
Nun jedenfalls ist erst einmal Ruhe eingekehrt in unserem Innern. Ich meine, zumindest in meinem und vielleicht im Laufe der Zeit auch in Ihrem.
Es braucht wieder einige Zeit, um Erfahrungen zu machen. Nämlich die, dass das Loslassen der Gedankenkonstrukte zu der Einsicht führen kann, dass ich im Grunde genommen nur wenig (manchmal sogar gar nichts) weiß. Wissen Sie, was daraus resultieren kann?
Furcht. Es wird nach der kurzen Ruhe, die eintritt, ein bisschen schwammig in der Magengrube. Fühlt sich ungefähr so an, als wäre man eben aus dem Flieger gehopst und betet, dass man rechtzeitig die Reißleine findet. Bis dahin plumpst man aber im freien Fall einem ungewissen Schicksal entgegen...
Hier kommt das Vertrauen ins Spiel.
Ich erkannte, dass von wenigstens zwei möglichen Varianten meiner Erwartungen oder Befürchtungen jede so möglich wie unmöglich ist. Ferner wurde mir klar, dass ich genau das nicht beeinflussen kann. - Es ist wahrlich schwer, das Menschen zu erklären, die davon überzeugt sind, alles steuern zu können, weil sie Herr über sich und ihr Schicksal zu sein glauben. Ich will es dennoch weiter versuchen.
Zunächst einmal machte mir der Gedanke wirklich Angst. Gerade ich, die stets ihre Pfoten an allen Hebeln hatte und immer auch den Mut zu handeln, sollte keinerlei Einfluss nehmen auf das Geschehen des morgigen Tages oder der nächsten Monate? Tatsache ist, dass ich mit dem Loslassen keine Hebel mehr in den Händen hielt. Sie erinnern sich: ich hatte nein sagen gelernt und war aus der ersten Reihe abgetreten, ich hatte mich selbst in meinem Denken in Frage gestellt und ich hatte mich anvertraut.
Anvertraut dem Leben! Und da war sie, meine Erkenntnis.
Vertrauen in das Leben. Vertrauen dahinein, dass im Leben das meiste für uns so bereitet ist, wie es richtig ist. Mit dem Leben fließen, der Intuition vertrauen, anderen Menschen vertrauen und dem Drang widerstehen, sie nach unseren Vorstellungen zu lenken und zu manipulieren, damit die Dinge nach unserer Nase und in unserem Tempo laufen.
Vertrauen im Angesicht aller Möglichkeiten... - und das Beste erwarten. Das bedeutet, die Gedanken zu kontrollieren, ihre Qualität sollte positive Energien haben. Letzteres wurde mir auf meinem Weg Reiki oft gesagt, noch öfter geübt und ich dachte, ich würde es beherrschen. Um die Gedanken zu beherrschen, muss man üben. Und was bedeutet denn „das Beste“? Dazu muss man sich ganz nüchtern vor Augen führen, dass das Beste nicht immer das sein kann, was wir für das Beste halten, sondern das, was das Leben für das Beste hält. Erst ganz am Ende unserer Einsichten steht, dass das, was uns widerfuhr, das Beste ist oder war.
Meines Erachtens liegt der Schlüssel in der Akzeptanz. Von vornherein auch die Möglichkeit zu sehen, dass das weniger Schöne sich realisieren kann, braucht Akzeptanz. Akzeptieren nämlich, dass es Dinge gibt, die wir einfach nicht ändern können und hinnehmen müssen. Eine optimistische Einstellung lässt uns das Gute daran erkennen und führt uns auf den Weg, unsere eigene Position so zu verändern, dass letztlich das Beste für uns daraus entstehen kann.
Vielleicht ist das die Sichtweise eines geradezu professionellen Optimisten wie ich einer bin. Irgendwer hat mir das, glaube ich, in die Wiege gelegt. Es ist mein Leben lang meine ganz persönliche Überlebensstrategie: ein gesunder Optimismus! Dabei finde ich in allem, was mir widerfährt, den Sinn und das Gute für mich und meinen Weg.
Aus all dem jedenfalls, resultiert für mich das wunderbare Gefühl von Freiheit.
Nichts muss, doch alles kann. Und so wird mein Vertrauen nicht enttäuscht, denn in der Erwartungslosigkeit, welche von zwei oder mehr Möglichkeiten nun real wird, liegt eine unbeschreibliche Ruhe. Einfach nichts tun zu können und/oder zu wollen, kann sehr wohltuend sein. Außerdem wird dieses Empfinden gestärkt durch die positiven Erfahrungen, die ich seit einiger Zeit damit mache.
Wenn dieses Gefühl... oh jaaa! Ich darf eines nicht vergessen zu erwähnen!
Dieses unbeschreiblich schöne Gefühl ist natürlich kein Dauerzustand. Das sollten Sie sich auf einem Post-It an den Garderobenspiegel, den Küchenschrank, auf den Nachttisch und das Frühstücksbrettchen pappen. Es ist vielmehr ein besonderer Augenblick, der je nach Intensität mal länger mal kürzer dauert.
Wenn also dieses Gefühl eintritt, spüre ich mein Innerstes ganz weit und hell werden. - Glauben Sie bitte nicht, dass ich spinne. Das fühlt sich wirklich so an. Wenn es bei Ihnen anders ist, okay. Jedem einzigartigen Individuum das Seine! - Gedanken fließen ruhig, werten und verurteilen nicht. Dann ist da dieses Lächeln, das ich im Herzen fühle und das meine Augen zum Leuchten bringt. Das habe ich nicht selbst gesehen, sondern das haben mir andere Menschen gesagt. Und ich genieße diesen besonderen Moment so intensiv, dass für eine Weile die Zeit nicht existiert. Dieses Gefühl lässt mich leicht an meine Aufgaben herangehen, offen auf jeden Menschen zugehen. Ich lehne mich an das Leben an, gebe mich hin seinem Fluss. Keine Sorge, ich kann paddeln und schwimmen, falls nötig, und ein Ruder habe ich auch zur Hand. Sich dem Leben anzuvertrauen und mit innerer Ruhe und Gelassenheit den Dingen beim Werden zuzusehen ohne selbst Einfluss nehmen zu müssen, bedeutet nicht, dass man die Hände in den Schoß legt, weil sich alles so hübsch von alleine dahin bewegt, wohin wir letztlich wollen sollen. Konkrete Ziele sollen wir dennoch haben.
Die Ziele lassen sich leichter verwirklichen, wenn wir uns anvertrauen. Wenn wir unserer Intuition vertrauen und uns hingeben an die Entwicklungen und nur eingreifen, wenn uns unser Gefühl in Zusammenarbeit mit dem Verstand dazu rät.
Das wunderbare Gefühl der Freiheit hat ganz viel mit »Loslassen« zu tun. Aber dazu äußere ich mich demnächst, denn es ist ein großes Thema. Für heute ist das, was Sie gelesen haben, erst einmal genug. Ich hoffe, ich habe Ihnen ein bisschen verständlich machen können, was ich unter dem wunderbaren Gefühl der Freiheit verstehe.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen die einzige Freiheit, die es wahrhaft gibt: Ihre ganz eigene innere Freiheit.

Herzlichst,
Angelika Fleckenstein

©2009_08_07 by af

Freitag

Lächeln gegen Tristesse

  Mitten am Tage

grau fällt nieselregen leise
kühle schaudert das gemüt
trist der himmel schaut
und mittendrin ein lächeln plötzlich
sonnenstrahl erwärmt das herz
weich macht liebe jeden blick
der regen fällt auf seine weise
immer weiter und kühlt still das herz
das sanft im lächeln brennt.

© 2007 by af

Mittwoch

Kennen Sie Clarissa?

Sie kennen Clarissa nicht? Na schön. Dann will ich Ihnen mal erzählen, was ich von Clarissa weiß...
Also Clarissa ist die hübsche Frau, die Ihnen oft mit dem Fahrrad begegnet. Sie tritt frisch und fröhlich in die Pedale. Stets umspielt ein leichtes Lächeln ihre Augen und ihren Mund. Keine wirkliche Mimik. Nein. Es ist so ein freundliches und herzliches Strahlen aus dem Herzen heraus. So eins, das andere Menschen erwidern müssen, ohne dass es ihnen recht bewusst wird. Ein Lächeln, das sie sehen, fühlen und erwidern und wobei sie sich auf unerklärliche Weise für wenige Augenblicke ihres Lebens ganz leicht fühlen. Geradezu beschwingt. Irgendetwas hat sie „gestreift“, „wie einen Hauch berührt“...
Sie sehen, es ist nicht einfach zu erklären, was da geschieht, weil es selbst die nicht beschreiben können, die es erlebt haben. Jedenfalls sagen jene dann manchmal, Clarissa sei auf irgendeine Art wie ein Engel. Im gleichen Atemzug betonen sie natürlich, dass das ja nicht sein kann, weil sie nicht glauben, dass es Engel gibt. Aber ganz sicher sind sie sich nicht. Sie bleiben zurück und behalten noch eine ganze Weile diesen lächelnd verklärten Gesichtsausdruck bei.
Keineswegs fällt so was jedem auf. Es guckt gar nicht jeder hin. Clarissa hält solche Menschen insgeheim für Egozentrierer. Eben für Menschen, die an ihrer Umwelt gar nicht interessiert scheinen, an anderen Menschen offensichtlich überhaupt nicht, und deshalb kreiseln sie in ihrem Innern bloß ums eigene kleine Egolein. Das sind meistens die Menschen, deren Münder verkniffen wirken und hart und die mit leerem Blick nach irgendwo gucken, aber niemals irgendeinen Blick offen erwidern. Geschweige denn Clarissas Lächeln.
Aber sehr viele, ja, überraschend viele schauen sie an. Können gar nicht anders als hingucken, können das Zurücklächeln nicht vermeiden und manch einer grüßt sogar. Nicht so lapidar ein im Vorbeigehen genuscheltes „Tach“. Vielmehr ein sehr aufmerksames „guten Tag“ gepaart mit einem überaus freundlichen Lächeln und einem offenen Blick in Clarissas Augen. Das kommt Clarissa oft vor, als würde sie diese Menschen schon ewig kennen. Derartige Begegnungen erfreuen Clarissas Herz und in solchen Augenblicken könnte sie die ganze Welt umarmen.
Viele Menschen trifft Clarissa auf diese Weise. Und vielleicht denken die, dass Clarissa einen großen Kreis von Freunden und Bekannten hat. So eine sympathische, stets freundliche und gut gelaunte Frau ist gewiss niemals allein.
Allerdings... wenn sie sie treffen, ist sie niemals in Begleitung. Seltsam finden sie das für einen kurzen Moment. Doch denken sie auch nicht weiter darüber nach.
Ich sehe förmlich, wie Sie die Stirn runzeln und denken, dass hier von einem Mensch die Rede ist, den es so doch wahrscheinlich gar nicht gibt. Irrtum! Ich kenne Clarissa. Kenne sie sogar sehr gut. Fast sicher erscheint mir deshalb, dass Sie Clarissa auch schon einmal gesehen haben. Sie glauben mir noch immer nicht? Schön. Dann will ich noch mehr über Clarissa erzählen...
Clarissa ist zum Beispiel auch diejenige, die als einzige an einer roten Ampel für Fußgänger konsequent stehen bleibt, bis das grüne Männlein aufleuchtet, während alle anderen schon hastig die Straße überqueren und - offenbar von plötzlicher Lebensmüdigkeit befallen - noch rasch vor dem herannahenden Auto oder Bus oder LKW die andere Straßenseite erreichen.
Bin ich blöd, dass ich immer stehen bleibe und Regeln befolge, so fragte sich Clarissa früher mit Recht. Wozu gibt es Regeln, wenn niemand sie achtet? Das sind Fragen, die Clarissa gern stellt und über die sie sehr viel nachdenkt. In Diskussionen darüber fühlt sie sich oft unverstanden.
Aber Clarissa gehört mittlerweile zu den wenigen Menschen, die sich schweren Herzens abgewöhnt haben, über das leichtsinnige, rücksichtslose Verhalten anderer zu staunen oder sich womöglich darüber aufzuregen. Unterhaltungen über diese Thematik geht sie mittlerweile einfach aus dem Weg. Jeder soll und muss nach seinem eigenen Gutdünken glücklich und zufrieden sein, am Leben bleiben oder sterben, das ist Clarissas Devise geworden.
So bleibt sie eben manchmal als einzige stehen und freut sich, dass ihr der Sinn für Hast und Eile völlig abhanden gekommen ist, während sie das Leben als kostbar und ebenso schätzenswert wie schützenswert empfindet.
Das wird ja immer bunter, denken Sie gerade. Streiten Sie's nicht ab! Ich sehe ganz genau, wie ungläubig Sie schauen. - An dieser Stelle lächle ich milde, während ich überlege, was ich Ihnen noch erzählen kann, um Sie zu überzeugen, dass Sie zumindest eine Clarissa sehr wohl kennen.
Es gibt sie, die eine Clarissa wenigstens, nämlich in jedem Leben. Glaube und hoffe ich jedenfalls. Clarissa selbst ist davon fest überzeugt. Deshalb hat sie es mir auch gesagt. Sie meint: „Ich bin nichts Besonderes. Ich bin einfach nur ein Mensch, der über Mitgefühl verfügt und der sich mit den Dingen des Lebens auseinandersetzt, um zu Erkenntnissen zu gelangen. Das gelingt mir und jede weitere Erfahrung, führt wiederum zu weiteren, neuen Erkenntnissen. Das ganze Leben ist dadurch bereichert. Das Lernen hört niemals auf.“
Nun reicht es aber, höre ich Sie im Stillen widersprechen. Am Ende ist das wirklich ein Engel??? - Tja, wer weiß das schon so genau? Ich habe diesen Verdacht auch schon gehegt. Aber lesen Sie mal ruhig weiter. Vielleicht ergründen wir gemeinsam das Geheimnis...
Haben Sie einen besten Freund? Eine beste Freundin? Menschen, die zu jeder Zeit für Sie da sind? Solche, die Ihnen kritisch die Meinung geigen dürfen, ohne Angst davor zu haben, dass Sie sie hinterher keines Blickes mehr würdigen? Jene Menschen, die Ihnen Ihre Grenzen zeigen? Jene, die alles geben und teilen, die lieben ohne jede Gegenleistung?
Aha, ich spüre, dass Sie nun doch ins Grübeln geraten. Hören Sie zu... Clarissa ist manchen Menschen tatsächlich die beste Freundin. Eigentlich allen Menschen, denen sie nahesteht. Sie ist die Frau, die Sie mitten in der Nacht anrufen können, um sich bei ihr auszuweinen. Wenn es nicht anders geht, kommt sie auch zu Ihnen. Zum Beispiel, wenn Sie mit einer fieberhaften Grippe auf Ihrem Sofa rumhängen und sich nicht allein mit Lindenblütentee und Aspirin verpflegen können. Oder wenn Sie für irgendein Problem eine pfiffige Idee brauchen und mit Ihren eigenen Gedanken bloß um sich selbst kreisen. Sie kommt auch schleunigst angedüst, um Sie von dem Balkon herunterzuholen, von dem Sie sich gerade eben noch zum Sterben entschlossen hinunterstürzen wollten. Es sei denn, Sie wären keinem vernünftigen Argument zugänglich. Dann nämlich kann Clarissa auch knallhart sein. Sie hält den Willen eines Menschen für unantastbar. Ein Gesetz, das jederzeit allerhöchste Priorität hat und respektiert gehört. Also, falls Sie in solch einem Fall der Meinung sind, springen zu müssen, um Ihrem Leben ein Ende zu setzen – bitteschön! Clarissa wird auch das schlussendlich akzeptieren.
Sie wird sehr traurig sein, wenn Sie darauf bestehen, diesen Schritt zu tun. Sie wird auch nicht bereit sein, es verstehen zu wollen. Sie wird aber nicht lange hin und her analysieren und nach einer plausiblen Erklärung suchen, die ohnehin nur Sie selbst geben könnten. Nein, sie respektiert und akzeptiert, was sie nicht zu ändern weiß.
So gibt es tausendundeine Gelegenheit, in der Clarissa für jemanden da ist, der sie braucht.
Sie erkennt allerdings auch, wo ihre Grenzen sind. Und Ihre Grenzen. Intuitiv erspürt sie, wenn sie diese Grenzen berührt. -

Clarissa. - Ich finde es herrlich, dass es Clarissa in meinem Leben gibt.

Na? Sind Sie noch immer der Auffassung, dass Sie keine Clarissa kennen? Denken Sie nach! Schauen Sie sich mal um in Ihrem Umfeld. Vielleicht ist sie Ihnen doch schon mal aufgefallen?
Und wenn es noch nicht geschehen ist, dann halten Sie die Augen auf beim nächsten Spaziergang oder beim Bummel durch die Stadt. Falls Sie glauben, eine zu erspähen, sprechen Sie sie an oder lächeln Sie ihr freundlich zu. Dann hätten Sie bald eine Clarissa für sich.
Ich wünsche jedem Menschen auf Erden eine "Clarissa".

©2009 by af

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