Montag

AUGUSTINUS



Vordenker des Christentums


Ein Lebensbild






von

Wilhelm Berndl



Wer kennt ihn eigentlich diesen Hl. Augustinus? Wer hat in der Schule etwas über in erfahren? Ich leider nicht; umso glücklicher und etwas wissender hat mich die Arbeit an diesem Buch gemacht.

Wenn man im Untertitel des Werkes von Wilhelm Berndl "Vordenker des Christentums" liest, denkt man zuerst an Religion. Erst recht die Tatsache, dass Augustinus-Skulpturen und -Bilder in Kirchen oder deren Umgebung platziert sind, lässt grundsätzlich Ahnungslose vermuten, dass es sich um einen Geistlichen handelt. Und ganz verkehrt ist das nicht. Doch Augustinus war weit mehr als ein Theologe und Kirchenmann. Der hochbegabte Augustinus war ein großer Philosoph und - ähnlich wie Sokrates - ein ausgezeichneter Rhetoriker.

Ich weiß tatsächlich - und trotz der Lektüre des Buches - zu wenig und müsste jetzt viel Literatur studieren, um diesen Augustinus besser noch kennen zu lernen, zu begreifen und über ihn berichten zu können. Daher bin ich dankbar, dass Wilhelm Berndl mir und damit vielen von uns diese Arbeit abgenommen hat und uns mit seinem Buch diesen Mann, der in der Zeit von 354-430 lebte, vorstellt.

Im Klappentext steht zu lesen: [Zitat]

"Augustinus war Kirchenvater, Bischof, Philosoph, Rhetoriker und Schriftsteller im ausgehenden griechisch-römischen Altertum - was könnte von ihm noch gesagt und gerühmt werden, das nicht schon auf alle erdenkliche Weise gesagt und gerühmt wurde? Der Autor lädt mit seinem Buch zu einem Versuch ein, uns Augustinus einmal von Mensch zu Mensch zu nähern, ein wenig abseits vom analysierenden und forschenden Blick und Interesse der Wissenschaft. - Der Versuch ist gelungen.

Professor Dr. Dr. Christof Müller, Leiter des Zentrums für Augustinus-Forschung an der Universität Würzburg schrieb dem Autor: "... möchte ich die Arbeit ob ihres Kenntnisreichtums und ihrer Detailfülle loben, und zwar in vielerlei Hinsicht: theologisch und philosophisch, aber vor allem auch philologisch und historisch. Sodann fällt positiv ins Auge, dass das reichhaltige Material konsistent und in sich harmonisch arrangiert und durchdrungen sowie geistreich interpretiert und zu einem stimmigen Gesamtgefüge gestaltet wurde."

Schon mit seinem Buch über "Sokrates" - Europäer der ersten Stunde ist es dem Autor vortrefflich gelungen, uns die interessante, intelligente, facettenreiche Persönlichkeit eines großen Denkers auf besondere und für uns Laien verständliche Weise nahe zu bringen. Selbiges gelingt ihm auch mit "Augustinus".

Nicht zuletzt deshalb ist das Buch leicht zu lesen. Gleichermaßen verständlich geschrieben wie die Sokrates-Biografie. Was ich jedoch persönlich besonders schätze, ist der stets außerordentlich feine Sprach- und Schreibstil des Autors.

"Augustinus - Vordenker des Christentums" ist erschienen im tredition Verlag.

Paperback (978-3-7345-4482-8) 18,99 €
Hardcover (978-3-7345-4483-5) 23,99 €
eBook (978-3-7345-4484-2) 11,99 €






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Freitag

Buchvorstellung: Steinkreise helfen Mutter Erde ...





... die ihr täglich zugefügten Umweltschäden zu überleben

von Volker von Schintling-Horny





Vielleicht waren/sind auch die seltsamen Kreise auf Kornfeldern ein solches Hilfsmittel...? Diese Überlegung kam mir jedenfalls gleich in den Sinn.
Der Autor führt u. a. in seinem Buch verschiedene, schon seit Urzeiten existierende Steinkreise als Beispiel an. Er schreibt: (Zitat Klappentext)

"Bei Steinsetzungen, ob als Steinkreise, Spiralen oder Achten, wird heute von der Wissenschaft immer von Kalenderanlagen oder Visierlinien zur Bestimmung der Tag- und Nachtgleiche gesprochen. Dabei handelt es sich hier eindeutig um Energiesammler und Kraftwerke.
Menhire und Dolmen werden sogar als Grabstätten bezeichnet, dabei sind es ausschließlich Richtstrahler und Energieweiterleiter.
Bienensiebensterne sind eine besondere Art von lebenden Steinkreisen."

Das Thema ist äußerst komplex, und selbst Wissenschaftler sind sich nicht ganz einig über die Bedeutung, forschen permanent weiter und gewinnen neue Erkenntnisse.
Das Buch von Volker von Schintling-Horny kann ein erster Schritt sein, sich der faszinierenden Materie anzunähern und sich selbst auf Forschungsreise in die Zeit und an mythische Orte zu begeben.

Jetzt erschienen bei tredition



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Mittwoch

Mit Recht: Urheberrecht

Das Foto vom Copyright-Zeichen verdanke ich pixabay und
Elias Schäfer (Urheber) aus Singen (Hohentwiel)



Urheberrechte

und warum Autoren u. Autorinnen sie keinesfalls ignorieren sollten

Immer wieder erlebe ich bei AutorInnen eine ziemliche Unbekümmertheit hinsichtlich der Verwendung von Bildmaterial in ihren Büchern. Im Internet steht eine reichhaltige Auswahl an passenden Fotos und Grafiken zur Verfügung, und weil das Internet für jeden zugänglich ist, diese Objekte "einfach so" heruntergeladen oder kopiert werden können, scheinen viele zu glauben, die Nutzung sei problemlos. Immerhin, so argumentieren einige, stellt der Urheber sein Werk ja öffentlich aus, also könne er nichts dagegen haben, wenn es andere sehen UND ggf. verwenden.

Ein ggf. schlimmer Trugschluss!

Selbst Lieschen Müller hat Urheberrechte, und auch sie muss gefragt werden, wenn man ihr schönes Foto von einer Schneelandschaft o. ä. für ein Buchcover verwenden möchte.
Wer die möglichen Probleme mit dem Urheberrecht umgehen möchte, kann es sich ganz einfach machen.

  1. Es gibt völlig kostenfreie Portale, in denen Fotografen ihre Werke kosten- und lizenzfrei zur Verfügung stellen (z. B. #pixabay - hier verzichten die Urheber auf ihre Rechte und gestatten die Verwendung für ziemlich alle Zwecke. Schön ist immer, einen solchen Urheber im Impressum zu nennen und ihm "eine Tasse Kaffee" zu spendieren - eine schöne Möglichkeit, ihm Anerkennung zu zollen.)
  2. Portale wie #shutterstock, #123rf.com#fotolia und andere bieten die Möglichkeit, Bilder zu kaufen (oder auch bei Mehrbedarf zu abonnieren). Diese Portale beschreiben auf ihren Seiten sehr genau, unter welchen Bedingungen die Bilder Verwendung finden dürfen bzw. welche Art von Lizenz erworben werden muss. Vorteil: Die Sache mit dem Urheberrecht und der Bildnutzung ist konkret geklärt und das auch noch für erschwingliche Preise.
  3. Wer dennoch ein Bild aus dem Internet, aus einer Zeitung oder einem Magazin verwenden will, sollte sich die Mühe machen, Kontakt zum Urheber aufzunehmen. In der Regel findet sich eine Möglichkeit zur Nutzung, und die muss noch nicht mal kostspielig sein.

Alles in allem, ist jede Möglichkeit der Klärung in Sachen Urheberrecht preisgünstiger als ein Konflikt, der u. U. vor Gericht landet und dann Unsummen verschlingen kann.
Das gilt auch für Tabellen, z. B. aus Fachzeitschriften, Tageszeitungen und Büchern.
Also, liebe Autoren und Autorinnen, tut euch einen Gefallen und klärt die Nutzung von Bildmaterial im Vorfeld bzw. besprecht euch mit einem/r Lektor/in und lasst die Sache klären.

Unwissenheit und Unbedarftheit schützen vor Strafe nicht. 

Und noch was
Autoren und Autorinnen sind ja auch auf ihr Urheberrecht bedacht…
Mit Recht ;-)

In diesem Sinne wünsche ich euch frohes, kreatives Schaffen.

Angelika Fleckenstein
#spotsrock





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Dienstag

Buchvorstellung: Keine Lust zum Sterben






von Jill Grey

Jill Greys Buch ist kein Ratgeber. Es ist vielmehr der Beginn einer Reise, auf die sich die Autorin begeben hat. (Zitat): "..., um den Film ihres Lebens bewusst anzuschauen, in den sie Jahrzehnte investiert, jedoch nie die Zeit gefunden hatte, das Drehbuch zu lesen. In 17 Einträgen berichtet die Autorin über ihre Kindheit bis zum Einstieg in die harten Drogen. Parallel dazu gibt sie Einblicke über die Erlebnisse, als sie sich – naiv, wie sie damals war – allein in ein abgeschiedenes Bergtal flüchtete. In die Texte fließen zudem diverse Dialoge mit Gott ein. Die Erzählungen sind bewegend, witzig, selbstironisch und halten dem Leser so manches Mal einen Spiegel vor."


"Weltschmerz" (Bild aus dem Buch)
 © Jill Grey


Vielleicht dachte ich deshalb, dass der Buchtitel ein Stück Trotz und Provokation ist. Jedenfalls fühlt es sich für mich so an. Die Dialoge mit Gott gefallen mir besonders. Sie sind so klar, authentisch und nachvollziehbar; der Blick in einen Spiegel bleibt da niemandem erspart. Und so fand auch ich mich in Sequenzen dieses interessanten Buches wieder.


Die Autorin ist ein Baseler Kind der 1960er Jahre. Sie ist Künstlerin und hat in den vergangenen Jahren sechs Bücher geschrieben. Sie töpfert und malt; Skulpturen von ihr wurden 2004 in der internationalen Kunstausstellung Arte in Basel gezeigt.



Ihr Buch ist aktuell erschienen bei tredition.

Ein weiteres Buch von Jill Grey erscheint unter dem Titel "Audienz der Toten" in Kürze im Grischa Verlag. Eine Gesellschaftssatire der besonderen Art - mit kriminalistischen und übersinnlichen Elementen...



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Montag

Hypothetisch...



Thanks to unsplash at pixabay.com




ist der 102. Brief aus dem Buch „104   Briefe an dich“


(Dieser Brief entstand über einen längeren Zeitraum hinweg
und ist eher Aufsatz, als Brief)

Was für ein intensives Gespräch! Ich spürte deine Angst. Ich hatte sie auch, und sie war furchtbar! Ich hatte Angst, dass du einfach aufstehst und gehst und nicht wiederkommen willst. Das wäre schwer zu ertragen! In einem wichtigen Augenblick das Falsche sagen, tun, etwas äußern, das nicht wirklich gut überlegt und zutreffend ist und es dann nicht mehr zurücknehmen können – all das fürchtete ich.
Vermutlich ging dir das Gespräch noch öfter durch den Kopf als mir. Wahrscheinlich stelltest du dir die gleichen Fragen wie ich. Würdest du mir sagen, wovor du Angst hattest? Was war deine größte Angst?
Ich bin froh, dass wir geredet haben. Nach der Angst tritt immer Ruhe ein und Klarheit. Ich bin sehr froh, meine Ängste meistens überwinden zu können. Das ist der Sinn von Angst; die starke Kraft in ihr fühlen, sie als einen Antrieb sehen, der dafür sorgt, dass wir über uns hinauswachsen und Erfahrungen sammeln, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen.
Ich bin der Ansicht, dass uns solche Gespräche sehr gut tun. Wir reden ja auch nicht so oft auf diese Weise und schon gar nicht über dieses Thema. Von Zeit zu Zeit jedoch ist das wichtig! Und wenn uns diese Unterhaltungen auch unangenehm „ans Eingemachte“ führen, schätze ich unsere gegenseitige Offenheit, die in jenen Stunden wieder wie zu Beginn vorhanden ist. Sie ist ein wesentliches Merkmal der Beziehung, die wir zueinander pflegen. Du darfst sicher sein, dass ich immer meinem Gefühl folge, in solche Unterhaltungen mit dir hineinzugehen und dich zu fordern. Ich weiß, wie schwer es dir fällt, über Gefühle zu sprechen und den Anfang zu finden für derartige Gespräche überhaupt, sehr schwer! Und obwohl ich weiß, wie es in dir aussieht und mich ständig mit relativer Sicherheit im Vermuten deines Innern bewegen kann, ist es wichtig, auch und besonders für dich, sie zu äußern. Gefühle brechen sich irgendwann unberechenbar ihren Weg, wenn du permanent versuchst, sie zu unterdrücken. –
Nun wäre ich ja nicht ich, wenn ich nach diesem guten Gespräch keinen vertieften Gedanken mehr an dessen Inhalt gehabt hätte. Also ging mir so einiges im Kopf herum. Ich war zum Beispiel nicht gefasst auf eine von dir – rein hypothetisch – gestellte Frage. Viel-leicht dachte ich darüber gründlich nach, weil es einen Zusammenhang gibt zu eigenen Gedanken, die ich nach meinem Traum vor etwa einem Jahr hatte. Auch wenn Fragen rein hypothetischer Natur sein mögen, haben sie meistens einen realen Ursprung, den ich interessiert betrachten mag. Hatte ich in meiner Spontanität denn auch richtig geantwortet? Entsprach meine Antwort meinem Empfinden und meiner Überzeugung? Was hat meine Antwort in dir ausgelöst?
Nun kann ich mich schriftlich noch sehr viel besser mit einem Thema auseinandersetzen, wie du weißt, und so lasse dich jetzt teil-haben an meinen Überlegungen und ihrem Ergebnis. Schriftlich hat für mich den Vorteil, dass Gedanken und Gefühle Gelegenheit haben zu reifen. In der schriftlichen Auseinandersetzung mit mir selbst kann ich oft sehr viel klarer fühlen, urteilen und entscheiden. Damit gelange ich zu einer realistischen Sicht und einem besseren Verständnis für die Sache und für meine damit verbundenen Gefühle und Ideen. – Du weißt sicher längst, um welche Frage es sich handelt. Ich vermute auch, dass du dich gerade ganz unbehaglich fühlst. Sei bitte nicht erschrocken, so in der Art „oh, je... hätte ich doch..., ich hab's ja geahnt...“.
Ich bleibe hier, was die mit der Frage verbundene Vorstellung betrifft, auf dem für dich sicheren Terrain der Hypothese und rekapituliere nur noch einmal den kleinen Ausschnitt unserer Unterhaltung, um die Verbindung zu meinem Ergebnis herzustellen. Du frag-
test: „Wie würdest du reagieren, wenn ich plötzlich mit gepackten Taschen vor deiner Türe stehe, bei dir einziehen will und sage, dass wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen?“ Ich antwortete dir, dass ich es nicht wisse und begründete das damit, dass ich nicht mit diesem Ereignis rechne. (Ein bisschen später erst ging mir auf, dass es logisch ist, auch nicht damit rechnen zu können, denn nur wenige Minuten zuvor hattest du eine solche Möglichkeit kategorisch ausgeschlossen. Insofern sich mir später beim Nachdenken darüber nicht erschloss, warum du mich so etwas überhaupt, wenn auch nur hypothetisch, fragst.)
Du blicktest dann nachdenklich aus dem Fenster und hast mir ei-ne andere Szene ungefähr so geschildert: „...dann stell dir vor, ich komme zu dir und sage, dass ich mich getrennt habe und allein ein Zimmer bewohne.“ Diesen zweiten Gedanken mochte ich spontan nachvollziehen und meinte, dass ich das eher für möglich hielte, auch wäre es günstiger. Soweit – so gut.
Ich erzählte dir, dass ich vor fast einem Jahr einmal diese Szene träumte. Du hast mit einem Koffer und Kartons vor meiner Türe gestanden. Dieser Traum bereitete mir sowohl Freude als kritisches Nachdenken. Er warf für mich zwei Fragen auf; erstens, ob ich über-haupt bereit dazu wäre? Und zweitens: Will ich das auf diese Weise? Ich erinnerte mich nämlich daran, dass du ja schon einmal ähnlich vorgegangen bist, als du aus einer verliebten Verzweiflung heraus vollkommen panisch-konfus zu Hause „ausgezogen“ (?) bist, um gleich darauf schleunigst wieder heimzukehren. Meiner Ansicht nach hast du damals den zweiten Schritt vor einem ersten gemacht. Da fällt man zwangsläufig auf die Nase. Niemand setzt sich schließlich einen neuen Hut auf den Kopf, wenn der alte noch drauf sitzt. Dein damaliger „Auszug“ war keiner. Er war eine Flucht.
In der Analyse meines Traumbildes und den damit verbundenen, leicht zwiespältigen Empfindungen kam ich zu der Erkenntnis, dass zunächst deine ganz persönliche Situation zu klären wäre, bevor so etwas geschehen dürfte. Das Traumbild schien mir damit hinreichend erklärt, und ich betrachtete das Nachdenken darüber als erledigt.
Zurück zu unserer Unterhaltung. Deine Frage überraschte und verwirrte mich ein bisschen. Sie belebte nicht nur die Erinnerung an meinen Traum, sie rührte auch an die Gedanken, die ich mir darüber mache, wie es wäre, das Leben wieder ganz mit jemandem teilen zu wollen. Bin ich wirklich noch fähig dazu nach so langer Zeit allein?
Die Reise nach Mallorca war zum richtigen Zeitpunkt meiner Nachdenklichkeit ein Geschenk. Sie verschaffte mir die Möglichkeit, all meinen Gedanken aufmerksam zu lauschen und sie aus einer Art Vogelperspektive zu betrachten. Aus dieser Position und dem zwangsläufig veränderten Blickwinkel, überschaue ich alles viel besser. Ich gewann meine Ausgeglichenheit zurück, kam zur Ruhe im Innern und erhielt Klarheit in meinen Gedanken und Gefühlen. Ich fand meine Antworten auf die wichtigen Fragen, die mich beschäftigten und kam zu einem Entschluss.
Ja, ich bin sehr wohl noch immer fähig, das Leben mit einem Partner an der Seite gemeinsam zu gestalten. Eigentlich war es völliger Quatsch, das grundsätzlich infrage tellen zu wollen. Und ebenso eigentlich ist dieses Infragestellen nicht mehr, als ein unsinniger Versuch, sich vor einem Irrtum schützen zu wollen, der wahrscheinlich gar nicht stattfindet. Erst recht teilte ich die Sorge der allermeisten Menschen noch nie, dass womöglich Alltag alles Lebendige einer Partnerschaft ersticken könnte. Wozu also zerbrach ich mir meinen Kopf über solche Unsinnigkeit? Ich bin ein viel zu lebendiger, interessanter, Fantasievoller und fröhlicher Mensch, für den es keine Langeweile gibt. In den Jahren, die ich auf Erden wandle, machte ich auch keine Erfahrung mit Monotonie, die zur Langeweile oder gar zum Frust geführt hätte. Nicht für mich und in keiner meiner Beziehungen. Monotonie beziehe ich dabei keinesfalls auf die geliebten, vertrauten Gewohnheiten, die jeder Mensch in seinem Leben allein, mit einem Partner und in der Familie pflegen sollte, wenn er sich dabei wohlfühlt und glücklich ist. Sich dies von Zeit zu Zeit bewusst zu machen, ist wichtig. Aber das kann ich jetzt nicht vertiefen, denn das ist ein anderes Thema.
Weil ich bin wie ich bin und weil nur ich so sein kann, wird sich an meiner Eigenart, die von Optimismus, Stärke, Zuversicht, Elan und vielseitigem Interesse an allem und jedem geprägt ist, nichts ändern. Jedenfalls nicht in diesem Leben. Insofern brauche ich wirklich nicht zu fürchten, mich nicht mehr auf einen anderen Menschen – sprich auf einen Partner – einlassen zu können. Es mag höchstens sein, dass es keinen Mann gibt, der sich mit mir auf sowas und auf mich einlassen will. Aber das glaube ich nicht.
Und was nun die Antwort auf deine Frage angeht, würde ich dir folgendes antworten, solltest du mich je wieder fragen:
1. Stelle mir eine solche Frage nicht mehr hypothetisch, sondern dann, wenn du tatsächlich irgendwann beabsichtigen solltest, mit mir zu leben. Und...
2. handle, wenn deine persönliche Situation klar ist. (Ich bin mir ganz sicher, dass du es ohnehin in dieser Reihenfolge tun würdest. Dann kann das von mir aus auch plötzlich sein, dass du mit deinem Wunsch inklusive gepackten Taschen vor meiner Türe stehst.) Und...
3. Ja! Mit dir würde ich mich auf ein gemeinsames Leben einlassen!
Mir geht es gut. Deine hypothetische Frage regte mich an, gründlich nachzudenken und mich von den kleinen Zweifeln an mir selbst zu befreien.
Seltsam, während ich schreibe, wird mir plötzlich klar, dass ich auf eine hypothetische Frage gar keine hypothetische Antwort geben kann. Eine Antwort kann nicht hypothetisch sein. Sie enthält, ganz egal wie aus der Luft gegriffen die Frage auch sein mag, Ehrlichkeit und Wahrheit, die sich auf die Vorstellung hinter der Frage beziehen und die ist im Augenblick, da sie gestellt wird, als Szene sehr real. Eine hypothetische Antwort wäre ja irgendwie ausgedacht, quasi Fantasiert. Hab ich aber nicht getan, weil das gar nicht möglich ist! Folglich kann eigentlich auch eine Frage nicht wirklich rein hypothetisch sein – oder? Oh je... – Gedankenstrich für ein paar Minuten Nachdenklichkeit. Okay, diese Überlegungen lasse ich nun stehen, ohne weiter darüber nachzudenken.
Ich antwortete auf jeden Fall sehr konkret auf deine hypothetische Frage, und zwar sowohl in unserem Gespräch wie jetzt auch in diesen Zeilen. Die Vorstellungen als solche sind hier und jetzt rein hypothetisch. Sie sind nämlich (noch) der Realität und ihren Fakten verhaftet. Wir werden sehen, wohin der Weg einen jeden von uns oder uns beide führt. Ich vertraue darauf, dass sich die Dinge des Lebens schon recht entwickeln. Nicht immer liegt alles allein in un-seren Händen. Auch andere Menschen und Ereignisse nehmen Einfluss auf unser Leben, und da bleibt uns manchmal nur unsere Reaktion darauf.
In der Zeit, die vergeht, finden ständig irgendwelche Veränderungen statt, die manchmal beabsichtigt, häufig unbeabsichtigt, gelegentlich sogar von uns unbemerkt auf unser Leben Einfluss nehmen; urplötzlich, rasant schnell oder in einem langen allmählichen Reifeprozess. Gelassen und geduldig sein zu können, ist weise. Und jeder-
zeit bieten sich Möglichkeiten, Chancen, die wir ergreifen können, wenn wir wollen.
Eine Situation, in der man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, ist ungeeignet, eine Lösung herbeiführen zu wollen. Diese
vorübergehende Lösungslosigkeit aussitzen zu können, betrachte
ich als eine kleine Kunst. Sie ist für mich der Schlüssel, vom Grübeln loszulassen und einen alles überdeckenden Aktionismus im Zaum
zu halten, in dem ich womöglich falsch handeln würde. In der Ruhe einer Phase von Lösungslosigkeit gewinne ich vom Problem ein

bisschen Abstand und schöpfe Kraft. Und vor allem Vertrauen in das, was ist und kommt! Alles kommt zu seiner Zeit. Und vieles von allein!


Alle Briefe sind erschienen in dem Buch "104   Briefe an dich" bei tredition.





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Samstag

Buchvorstellung: DER MAINZER HAUPTFRIEDHOF




 - Begegnung mit der Vergänglichkeit des Lebens

von Elizabeth Kott






Bevor ich diesen schönen Bildband der Autorin Elizabeth Kott bearbeiten durfte, erschien mir der Gedanke an Friedhöfe wenig erfreulich, erst recht nicht inspirierend und schon gar nicht wäre ich auf die Idee gekommen, einen zu besuchen. Das änderte sich, als ich den Beschreibungen von Elizabeth Kott folgte, die Bilder betrachtete, die ihr verstorbener Gatte auf dem Mainzer Hauptfriedhof gemacht hat.

Das Buch hat tiefe Eindrücke bei mir hinterlassen. Insbesondere die Bilder und auch die Texte. Es hat mich die Friedfertigkeit, ja Heiligkeit spüren lassen, die ein Friedhof mit seiner außergewöhnlichen Atmosphäre bei uns Menschen hinterlassen kann. Ein Friedhof ist die „letzte Ruhestätte“ für Menschen, die mit ihrem Leben und Wirken Spuren im Leben anderer und auf dieser Welt zurücklassen. Das allein ist Grund genug, Friedhöfe schön zu gestalten, zu pflegen und zu erhalten. Er ist einerseits der Ort, an dem der Mensch durch seinen Tod eintaucht in eine Sphäre, die uns Lebenden verwehrt ist, in dem jedoch die Seele ihren Frieden findet. Andererseits bietet dieser Ort mit dem Platz der letzten Ruhestätte den Lebenden die Möglichkeit einem geliebten Verstorbenen zu gedenken, ihm durch innere Verbindung über den Tod hinaus nahe zu sein.

Vor Jahren begleitete die Autorin und Malerin Elizabeth Kott ihren Mann auf seinen Fotoexkursionen, unter anderem häufig auf den historisch wie kunstgeschichtlich interessanten Mainzer Hauptfriedhof. Viele Jahre nach dem Tod ihres geliebten Mannes beschreibt sie in diesem Buch sehr gefühlvoll ihre Erinnerungen an jene Zeit, diese Streifzüge durch die Gärten der Vergänglichkeit und unternimmt eine Art Zeitreise, in der sie auch eine Möglichkeit letzter Trauerarbeit findet. Friedhofbesuche können tröstlich, fried- und liebevoll sein und bringen uns dem Leben näher als wir glauben.

Zitate wie das folgende beschreiben zusätzlich, wie die Menschen im Allgemeinen und im Besonderen das Thema um die Vergänglichkeit unseres Lebens empfinden: Friedhöfe haben eine starke Anziehung. Man sucht sie auf, auch wenn man keine Angehörigen dort liegen hat. In fremden Städten pilgert man zu ihnen hin, man lässt sich Zeit für sie. Man ergeht sich darin, als wären sie für einen angelegt worden. Es ist auch in der Fremde nicht immer das Grab eines verehrten Mannes, das einen anzieht. Aber selbst wenn der Besuch ursprünglich einem solchen galt, so wird doch immer mehr daraus. Man gerät auf dem Friedhof sehr bald in eine Stimmung ganz eigener Art. Es ist eine fromme Sitte, sich über die Natur dieser Stimmung zu täuschen. Denn der Ernst, den man fühlt und den man noch mehr zur Schau trägt, verdeckt eine geheime Genugtuung... (ein Zitat aus „Masse und Macht“ von Elias Canetti)

Ebenso mag es der Autorin ergangen sein. Als Hommage an ihren verstorbenen Mann veröffentlichte sie diesen sehr persönlichen Bildband.

DER MAINZER HAUPTFRIEDHOF
Begegnung mit der Vergänglichkeit des Lebens
Erschienen als Hardcover im Format 17 x 22 cm bei tredition.
104 Seiten │ ISBN: 978-3-7345-4123-0│24,90 EUR

Die Autorin:

Elizabeth Kott wuchs in den 50er Jahren als echtes Burenmädchen in Südafrika auf, wo sie eine glückliche Kindheit erlebte. Ihre Muttersprache ist Afrikaans. Als junges Mädchen zog sie mit ihren Eltern aus der malerischen Umgebung von Stellenbosch in eine neue Welt im frostigen südlichen Schweden. Über viele Umwege kam sie nach Holland, dann nach Belgien, um im erwachsenen Alter wieder nach Südafrika zu gehen. Dort blieb sie jedoch nicht, sondern kam wieder nach Europa zurück. Mit ihrem deutschen Mann war sie 35 Jahre glücklich verheiratet; trotz andauernder Existenzprobleme und persönlicher Rückschläge, bis er unerwartet an einem Herzstillstand starb.



Heute ist die talentierte Malerin auch erfolgreiche Buchautorin. 
Unter anderem schrieb sie:

-        „Waterfalls – Eine Farm in Südafrika“ (tredition 2014)
-        „How a Dolos Became a Dice“ in engl. Sprache (tredition 2016)
eine deutsche Fassung ist derzeit in Vorbereitung.




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Sonntag

Der Mensch braucht den Menschen


Foto von unsplash (Großbritannien) #pixabay.com


Der Mensch braucht den Menschen

Kaum jemand ist zum Eremiten bestimmt, geboren gar oder verdammt. Das ist nur für sehr wenige Menschen – häufig aus einem besonderen Grund und Bestreben heraus – gut. In der Regel ist der Mensch ein ‚Herdentier‘, braucht die Gemeinschaft, den Austausch miteinander und die Gemeinsamkeit, wichtig auch ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft, sich ein Stück weit zu identifizieren hinsichtlich von Interessen und Zielen ebenso wie sich in anderen zu spiegeln. In der Frühzeit war das sogar überlebensnotwendig. Was heißt hier ‚in der Frühzeit‘?
Auch heute ist es für Menschen wichtig, in einer Gemeinschaft zu leben. Wie immer sie sich gestaltet, darüber mag man geteilter Meinung sein. Lebenspartnerschaft, Ehe, Familie, Wahlverband (Wahlfamilie, wie man heutzutage oft sagt) oder Kommune (WG in Zweier-, Dreier- oder Mehrverbund, Mehrgenerationen-Gemeinschaft). Es ist belegt, dass Menschen,  die in einer Gemeinschaft leben, die ihnen Bestätigung, Anerkennung, eine gewisse Sicherheit und Geborgenheit bietet, gesünder und glücklicher sind als Alleinlebende. Dass innerhalb dieser Gemeinschaften nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen an der Tagesordnung sind, ist normal. Letztlich sind Menschen trotz ihres Drangs nach Gemeinschaft immer Individualisten. Doch mit der Kraft ihrer Intelligenz, ihrer Lebenserfahrung und Klugheit, der Bereitschaft zu Kompromissen in gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz in Verbindung mit Respekt und Achtung dem/den anderen und deren Anders-Sein gegenüber finden die Gemeinschaften Lösungen für ein friedliches (und liebevolles) Miteinander.
Meine Beobachtungen in Bezug auf Alleinlebende beruhen größtenteils auf eigener Erfahrung und den Erfahrungen mit anderen Alleinlebenden, mit denen ich in Verbindung stehe.

Die Bedeutung des Alleinseins für mich
Solange ich auf Erden wandle, war ich nie in der Situation, mit mir zu sein, d. h. unbeeinflusst durch andere Menschen und Gemeinschaft mit ihnen sowie ihren Regeln. Für die Kindheit und Jugendzeit ist das grundsätzlich normal und auch wichtig, glaube ich. Das einzige, was mich dabei rückblickend in Bezug auf mein Leben stört, sind die sehr strengen Regeln, denen ich im familiären Umfeld zu folgen hatte, die Nicht-Auseinandersetzung miteinander und der krankhafte Kontrollzwang meiner Mutter. Das halte ich aus heutiger Sicht und nach den Erkenntnissen aus Lebenserfahrung, eigenem Muttersein, langer Therapie und heutigem Empfinden für schädlich. Es hatte bei mir dazu geführt, dass ich nicht lernte, Spannung und Streit auszuhalten, kontrovers zu kommunizieren, mich offen durchsetzen zu können. Stattdessen wurde ich eine kleine Mediatorin, eine Clownin, die es verstand Menschen, die miteinander gerade nicht konnten, zum Lachen und auch wieder ins Gespräch zu bringen. Ich wurde bestrebt, es allen Menschen recht zu machen, um eigenes Wohlgefühl zu erlangen. Das Schädliche daran ist insbesondere, dass ich mich derart auf alle Menschen in meiner Umgebung „einschoss“, mich vollkommen in sie hineinversetzte, ihre Wünsche und Bedürfnisse, ihre jeweiligen Stimmungslagen witterte, sodass ich im Laufe der Jahre verlernte, überhaupt noch eigene Bedürfnisse zu fühlen und eigene Wünsche und Vorstellungen von meinem Dasein, meinem Leben mit mir und anderen überhaupt unabhängig von der (familiären) Gemeinschaft zu entwickeln. Das zog sich wie ein Roter Faden durch alle (!) meine Beziehungen im Leben.

Foto v. Gert Altmann
Freiburg #pixabay.com
Als vollkommen angepasster Mensch fügte ich mich in sämtliche Beziehungen so gut ein, dass der/die andere/n glaubten, in mir das Nonplusultra von Partnerin, Freundin, Schülerin, Angestellter, Kollegin usw. gefunden zu haben. Dieser Eindruck verschwand allmählich dann, wenn ich, die perfekte Wahl für welche Position auch immer, begann zu rebellieren. Zunächst im Innern, später im Außen. Letzteres war für das Umfeld völlig unverständlich, auch weil es sich auf eine Weise äußerte, die für die anderen schlicht nicht zu verstehen war. Denn ich konnte nicht gerade heraus äußern, was „Sache ist“, sondern trug das Unbehagen als tickende Zeitbombe in mir und zeigte nur das, was man heute allgemein als „Zickenterror“ bezeichnet; und das auch nur äußerst milde, verglichen mit herumzickenden Damen, wie sie uns das TV häufig präsentiert. Und wenn ich eines Tages mit einer ungeheuren Wucht dieses Unbehagen konkret nach außen brachte, es aussprach, war der Schock für die anderen groß. Für mich war es jeweils eine Befreiung. –
Das Schlimmste daran war, dass ich wiederum die Enttäuschung, die Traurigkeit und die Qual, das Unverständnis, ja manchmal sogar die Verzweiflung der anderen spürte – und selbst litt. Ein gespaltenes Herz, eine entzweite Seele, die mit einem Auge von Herzen lachte, während das andere todtraurige Tränen vergoss.
Es hat viele Jahre gedauert, bis ich endlich erkannte, wie wichtig ein Alleinsein mit mir ist. Es bedurfte auch einer ganzen Reihe von Beziehungsversuchen, bis mich die Erkenntnis endlich traf, dass ich in schöner Regelmäßigkeit, das Leben des anderen, aber nicht meines lebe. Denn das war bis dato ja der Schlüssel, um überhaupt mit jemandem zusammen zu sein: derart im anderen aufzugehen, dass Grenzen zwischen Persönlichkeiten bis zur Unkenntlichkeit verwischten. Einssein auf allen Ebenen und das um jeden Preis. – Fatal. Dass das nie funktionieren konnte und kann, liegt auf der Hand, weil niemand, wirklich niemand sein eigenes, ursprüngliches Inneres dauerhaft verleugnen kann.
Dann war ich endlich allein mit mir. Schön – nicht schön. Vorteilhaft – nicht vorteilhaft. Fifty-fifty … Aber in dieser Wechselbad-Zeit erfuhr ich einen Schnellkurs in Selbstentdeckung und -erkenntnis. Wer bin ich denn wirklich? Was will ich? Was kann ich? Wovon träume ich? (Man glaubt ja nicht, wie sehr man Träume auch vergessen kann und wie schwer es ist, sie wiederzufinden.) Wohin will ich noch? Will ich eine Partnerschaft? Will ich lieber alleine leben? Will ich vielleicht Teil einer Wohngemeinschaft sein? Stadt, Land, Fluss, Meer… Deutschland, irgendwo oder überall auf der Welt?
Zwischen all diesen Fragen meldeten sich in fast zwei Jahren auch tief verschüttete Gedanken und Gefühle. Wie lange eingesperrte Tiere, die endlich ins Freie dürfen, fielen sie manchmal über mich her. Gut, dass ich dann mit ihnen allein war. Heulen, bis die Augen sich kaum noch öffnen, verrotzt aussehen, ohne dass mir jemand zuschaut. Schimpfen, fluchen, verfluchen, toben, maßlos traurig sein – all das brach hervor und durfte sich heilsam ausleben.
Daneben immer wieder diese Fragen, von denen ich stets glaubte, sie eigentlich längst beantwortet zu haben. Dem ist nicht so.
Trotz des gewünschten und heilsamen Alleinseins mit mir hatte ich freilich und, wie ich meine, absolut verständlich, auch den Wunsch, mich über diese Fragen, diese Gefühlsfluten und allerlei Unverständliches, das mir durch den Sinn ging, mit anderen zu unterhalten. Vor allem natürlich mit Menschen, die solche Phasen gerade selbst erleben oder sie abgeschlossen haben. Aber das erwies sich als das Schwierigste. Über die Jahre, in denen ich keine Zeit und Energie hatte, Freundschaften zu pflegen (echt ein Problem mit drei heranwachsenden Kindern, Full-Time-Job und Haushalt und leider null Unterstützung), ist der Kreis von Menschen, mit denen ich reden könnte auf ein winziges Minimum geschrumpft.
Die Folge war, dass ich begann, über diese Dinge mit meinen Kindern zu sprechen… das war keine gute Idee.

Wir Menschen brauchen mindestens einen Zeugen im Leben
Schnell merkte ich, dass ich plapperte wie ein Wasserfall, wenn ich mit einem meiner Kinder zusammen war oder es am Telefon hatte. Das Plappern ertrugen sie mit bewundernswerter Geduld; sie hatten auch gelegentlich eine Meinung zu dem, was ich erzählte. Doch das gewünschte, erträumte Feedback konnten sie mir nicht geben.
Mit meinen Gedanken und Fragen war ich also allein. Die Gespräche verlagerten sich meinerseits dann auf das, was ich aus meinem durchaus interessanten Berufsalltag berichten konnte. Hier dasselbe Spiel: plappern, bis der Arzt kommt (den aber niemand rief, wofür ich dankbar bin). Jedes Mal, wenn ich nach einem Treffen wieder allein mit mir war, wurde mir das bewusst. Neben dem Alleinsein mit mir und den Themen, um die meine Gedanken kreisen, zog auch Einsamkeit ein.
Kein Spiegel. Keine Bestätigung, Anerkennung. Keine Sicherheit, wenn auch nur relativ, oder Geborgenheit.
Ein Schlüsselerlebnis lieferte mir die Erkenntnis schlechthin. Als ich in einer Unterhaltung – wir waren zu fünft – zweimal erfahren musste, dass mein Gesprächspartner sich mitten in einem Satz, den ich sagte, abwandte zu einem anderen, war ich zunächst irritiert, dann beleidigt, verletzt auch und später froh, wieder zu Hause mit mir sein zu können. Erst in diesem Alleinsein mit mir tauchten die passenden Fragen auf: Was habe ich eigentlich zu erzählen? Wovon hatte ich gesprochen, als der Gesprächspartner sich abwandte? War es interessant? War es wichtig? Hatte ich es womöglich schon x-mal erzählt?
Es ist nicht schwer zu erraten, dass die besagte Unterhaltung im Kreis meiner Kinder stattfand; andere Menschen gibt es in meinem Leben nicht, oder kaum. Mit den geschilderten Überlegungen war mir auch klar, was ich bereits lange Zeit zuvor rational für mich geklärt hatte: Die Kinder leben ihr Leben, in dem ich Gast sein darf. Und sie sind nicht verantwortlich für mein Wohlbefinden. Ja, und erst recht kann ich nicht ständig über meine Arbeit und persönlichen Alltagsbelange sprechen, wenn wir in lustiger Runde gesellig beisammen sind, und dafür ihre Aufmerksamkeit einfordern. – Das Bild hing schiefer denn je, und ich ging ganz tief in mich.

Foto v. Tatyana Kazakova, Samara/Russia  #pixabay.com
Der Mensch braucht einen Zeugen im Leben. Einen anderen Menschen, mit dem er sein Leben hautnah teilt. Einen, der Anteil hat, Interesse, Mitgefühl. Einen, der auch Spiegel ist, der kritisiert, hinterfragt, widerspricht und zum Reflektieren aktiv beiträgt. Darüber hinaus sollte das Leben aus mehr als Arbeit und Alltag bestehen. Schließlich gibt es Freizeit, mag sie noch so knapp bemessen sein.
Für mich resultierte aus all dem, dass es an der Zeit ist, mein Leben außerhalb zu gestalten. Versuche, über VHS-Kurse mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, scheiterten am laufenden Band; mal platzte der Kurs mangels Teilnehmern, mal erkrankte der/die Dozent/in. Es war offenbar nicht der richtige Weg. Zum Ausgehen allein ohne Begleitung bin ich nicht geschaffen, an Kneipen habe ich kein Interesse. Eine Vereinsmeierin bin ich ebenso wenig; und was sollte ich auch machen? Kegeln? Bowlen? Nordic Walking? Turnen für Ü50? Tanzen für Senioren? Alles nicht meine Welt, denn als Seniorin kann ich mich nicht empfinden. Was also tun, um frischen Wind in mein Leben zu bringen?
Mir ist das Richtige eingefallen: Alte Verbindungen auf ihre Qualität hin prüfen und vielleicht darauf aufbauen anstatt immer wieder Anlauf für Neues zu nehmen. Für mich heißt das, wieder Musik zu machen. Ich erfülle mir damit gleichzeitig den Wunsch, einer Gemeinschaft anzugehören, die gemeinsame Interessen hat und Ziele verfolgt, in der es ebenso konzentriert und spannend wie lustig zugeht. Mein Schritt in die richtige Richtung!

Fazit: Wir sind jederzeit selbst verantwortlich für die Qualität unseres  Lebens(alltags) 
Wir, die wir allein leben – selbst gewählt oder nicht, das tut nichts zur Sache – sollten niemandem unseren Alltag und die Erlebnisse am Arbeitsplatz verbal ungebremst um die Ohren hauen, sofern der-/diejenige nicht Teil davon ist und gleiches Recht uns gegenüber hat. Dieses Bedürfnis befriedigen wir am besten in einer frei gewählten Lebensgemeinschaft, sei es nun eine Partnerschaft oder eine Wohngemeinschaft. Mit einer Einschränkung: In keinem Fall andauernd und penetrant, selbst in einer Partnerschaft nicht. Auf die Dosis kommt es an.
Sich damit im Leben der Kinder auszubreiten ist ebenso verkehrt wie dies in einer Freundschaft zu tun. Höflich werden die Kinder so etwas ertragen, aber ich vermute, auch froh sein, wenn man wieder seiner Wege zieht. Und eine Freundschaft ist sicher dazu da, sich vertrauensvoll auch mal Kummer von der Seele zu reden und sich in der Krise Rat und Unterstützung zu holen. Im Wesentlichen jedoch vereinen uns in einer Freundschaft gleiche/gemeinsame Interessen, ähnliche Wertvorstellungen, Prinzipien und geteilte Freude am Sein. Alltags- oder Berufsrapport veröden eine Freundschaft bis hin zur Auflösung.

Wenn im Leben nichts anderes mehr zu existieren scheint als das, wird es Zeit für Veränderung. Die Qualität unseres Lebens bestimmen wir immer selbst und sind dabei nicht allein von unseren finanziellen Möglichkeiten abhängig. Wo uns Geld fehlt, lassen wir Kreativität und Mut walten. Am Ende, davon bin ich überzeugt, sind wir auch im Kreise der Kinder, in Freundschaften und ganz sicher auch für neue Verbindungen wieder interessante Gesprächspartner und mehr…
[31. Juli 2016 by AF]



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