Sonntag

Der Mensch braucht den Menschen


Foto von unsplash (Großbritannien) #pixabay.com


Der Mensch braucht den Menschen

Kaum jemand ist zum Eremiten bestimmt, geboren gar oder verdammt. Das ist nur für sehr wenige Menschen – häufig aus einem besonderen Grund und Bestreben heraus – gut. In der Regel ist der Mensch ein ‚Herdentier‘, braucht die Gemeinschaft, den Austausch miteinander und die Gemeinsamkeit, wichtig ist auch ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gemeinschaft, sich ein Stück weit zu identifizieren hinsichtlich von Interessen und Zielen ebenso wie sich in anderen zu spiegeln. In der Frühzeit war das sogar überlebensnotwendig. Was heißt hier ‚in der Frühzeit‘?
Auch heute ist es für Menschen wichtig, in einer Gemeinschaft zu leben. Wie immer sie sich gestaltet, davon hat jeder seine eigene Vorstellung. Lebenspartnerschaft, Ehe, Familie, Wahlverband (Wahlfamilie, wie man heutzutage oft sagt) oder Kommune (WG in Zweier-, Dreier- oder Mehrverbund, Mehrgenerationen-Gemeinschaft). Es ist belegt, dass Menschen, die in einer Gemeinschaft leben, die ihnen Bestätigung, Anerkennung, eine gewisse Sicherheit und Geborgenheit bietet, gesünder und glücklicher sind als Alleinlebende. Dass innerhalb dieser Gemeinschaften nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen an der Tagesordnung sind, ist normal. Letztlich sind Menschen trotz ihres Drangs nach Gemeinschaft immer Individualisten. Doch mit der Kraft ihrer Intelligenz, ihrer Lebenserfahrung und Klugheit, der Bereitschaft zu Kompromissen in gegenseitiger Toleranz und Akzeptanz in Verbindung mit Respekt und Achtung dem/den anderen und deren Anders-Sein gegenüber finden die Gemeinschaften Lösungen für ein friedliches (und liebevolles) Miteinander.
Meine Beobachtungen in Bezug auf Alleinlebende beruhen größtenteils auf eigener Erfahrung und den Erfahrungen mit anderen Alleinlebenden, mit denen ich in Verbindung stehe.

Die Bedeutung des Alleinseins für mich

Solange ich auf Erden wandle, war ich nie in der Situation, mit mir zu sein, d. h. unbeeinflusst durch andere Menschen und Gemeinschaft mit ihnen sowie ihren Regeln. Für die Kindheit und Jugendzeit ist das grundsätzlich normal und auch wichtig, glaube ich. Das einzige, was mich dabei rückblickend in Bezug auf mein Leben stört, sind die sehr strengen Regeln, denen ich im familiären Umfeld zu folgen hatte, die Nicht-Auseinandersetzung miteinander und der krankhafte Kontrollzwang meiner Mutter. Das halte ich aus heutiger Sicht und nach den Erkenntnissen aus Lebenserfahrung, eigenem Muttersein, Therapie und heutigem Empfinden für schädlich. Es hatte bei mir dazu geführt, dass ich nicht lernte, Spannung und Streit auszuhalten, kontrovers zu kommunizieren, mich offen durchsetzen zu können. Stattdessen wurde ich eine kleine Mediatorin, eine Clownin, die es verstand Menschen, die miteinander gerade nicht konnten, zum Lachen und auch wieder ins Gespräch zu bringen. Ich wurde bestrebt, es allen Menschen recht zu machen, um eigenes Wohlgefühl zu erlangen. Das Schädliche daran ist insbesondere, dass ich mich derart auf alle Menschen in meiner Umgebung „einschoss“, mich vollkommen in sie hineinversetzte, ihre Wünsche und Bedürfnisse, ihre jeweiligen Stimmungslagen witterte, sodass ich im Laufe der Jahre verlernte, überhaupt noch eigene Bedürfnisse zu fühlen und eigene Wünsche und Vorstellungen von meinem Dasein, meinem Leben mit mir und anderen unabhängig von der (familiären) Gemeinschaft zu entwickeln. Das zog sich wie ein Roter Faden durch alle (!) meine Beziehungen im Leben.

Foto v. Gert Altmann
Freiburg #pixabay.com
Als vollkommen angepasster Mensch fügte ich mich in sämtliche Beziehungen so gut ein, dass der/die andere/n glaubten, in mir das Nonplusultra von Partnerin, Freundin, Schülerin, Angestellter, Kollegin usw. gefunden zu haben. Dieser Eindruck verschwand allmählich dann, wenn ich, die perfekte Wahl für welche Position auch immer, begann zu rebellieren. Zunächst im Innern, später im Außen. Letzteres war für das Umfeld völlig unverständlich, auch weil es sich auf eine Weise äußerte, die für die anderen schlicht nicht zu verstehen war. Denn ich konnte nicht gerade heraus äußern, was „Sache ist“, sondern trug das Unbehagen als tickende Zeitbombe in mir und zeigte nur das, was man heute allgemein als „Zickenterror“ bezeichnet; und das auch nur äußerst milde, verglichen mit herumzickenden Damen, wie sie uns das TV häufig präsentiert. Und wenn ich eines Tages mit einer ungeheuren Wucht dieses Unbehagen konkret nach außen brachte, es aussprach, war der Schock für die anderen groß. Für mich war es jeweils eine Befreiung. –
Das Schlimmste daran war, dass ich wiederum die Enttäuschung, die Traurigkeit und die Qual, das Unverständnis, ja manchmal sogar die Verzweiflung der anderen spürte – und selbst litt. Ein gespaltenes Herz, eine entzweite Seele, die mit einem Auge von Herzen lachte, während das andere todtraurige Tränen vergoss.
Es hat viele Jahre gedauert, bis ich endlich erkannte, wie wichtig ein Alleinsein mit mir ist. Es bedurfte auch einer ganzen Reihe von Beziehungsversuchen, bis mich die Erkenntnis endlich traf, dass ich in schöner Regelmäßigkeit, das Leben des anderen, aber nicht meines lebe. Denn das war bis dato ja der Schlüssel, um überhaupt mit jemandem zusammen zu sein: derart im anderen aufzugehen, dass Grenzen zwischen Persönlichkeiten bis zur Unkenntlichkeit verwischten. Einssein auf allen Ebenen und das um jeden Preis. – Fatal. Dass das nie funktionieren konnte und kann, liegt auf der Hand, weil niemand, wirklich niemand sein eigenes, ursprüngliches Inneres dauerhaft verleugnen kann.
Dann war ich endlich allein mit mir. Schön – nicht schön. Vorteilhaft – nicht vorteilhaft. Fifty-fifty … Aber in dieser Wechselbad-Zeit erfuhr ich einen Schnellkurs in Selbstentdeckung und -erkenntnis. Wer bin ich denn wirklich? Was will ich? Was kann ich? Wovon träume ich? (Man glaubt ja nicht, wie sehr man Träume auch vergessen kann und wie schwer es ist, sie wiederzufinden.) Wohin will ich noch? Will ich eine Partnerschaft? Will ich lieber alleine leben? Will ich vielleicht Teil einer Wohngemeinschaft sein? Stadt, Land, Fluss, Meer… Deutschland, irgendwo oder überall auf der Welt?
Zwischen all diesen Fragen meldeten sich in fast zwei Jahren auch tief verschüttete Gedanken und Gefühle. Wie lange eingesperrte Tiere, die endlich ins Freie dürfen, fielen sie manchmal über mich her. Gut, dass ich dann mit ihnen allein war. Heulen, bis die Augen sich kaum noch öffnen, verrotzt aussehen, ohne dass mir jemand zuschaut. Schimpfen, fluchen, verfluchen, toben, maßlos traurig sein – all das brach hervor und durfte sich heilsam ausleben.
Daneben immer wieder diese Fragen, von denen ich stets glaubte, sie eigentlich längst beantwortet zu haben. Dem ist nicht so.
Trotz des gewünschten und heilsamen Alleinseins mit mir hatte ich freilich und, wie ich meine, absolut verständlich, auch den Wunsch, mich über diese Fragen, diese Gefühlsfluten und allerlei Unverständliches, das mir durch den Sinn ging, mit anderen zu unterhalten. Vor allem natürlich mit Menschen, die solche Phasen gerade selbst erleben oder sie abgeschlossen haben. Aber das erwies sich als das Schwierigste. Über die Jahre, in denen ich keine Zeit und Energie hatte, Freundschaften zu pflegen (echt ein Problem mit drei heranwachsenden Kindern, Full-Time-Job und Haushalt und leider null Unterstützung), ist der Kreis von Menschen, mit denen ich reden könnte auf ein winziges Minimum geschrumpft.
Die Folge war, dass ich begann, über diese Dinge mit meinen Kindern zu sprechen… das war keine gute Idee.

Wir Menschen brauchen mindestens einen Zeugen im Leben
Schnell merkte ich, dass ich plapperte wie ein Wasserfall, wenn ich mit einem meiner Kinder zusammen war oder es am Telefon hatte. Das Plappern ertrugen sie mit bewundernswerter Geduld; sie hatten auch gelegentlich eine Meinung zu dem, was ich erzählte. Doch das gewünschte, erträumte Feedback konnten sie mir nicht geben.
Mit meinen Gedanken und Fragen war ich also allein. Die Gespräche verlagerten sich meinerseits dann auf das, was ich aus meinem durchaus interessanten Berufsalltag berichten konnte. Hier dasselbe Spiel: plappern, bis der Arzt kommt (den aber niemand rief, wofür ich dankbar bin). Jedes Mal, wenn ich nach einem Treffen wieder allein mit mir war, wurde mir das bewusst. Neben dem Alleinsein mit mir und den Themen, um die meine Gedanken kreisen, zog auch Einsamkeit ein.
Kein Spiegel. Keine Bestätigung, Anerkennung. Keine Sicherheit, wenn auch nur relativ, oder Geborgenheit.
Ein Schlüsselerlebnis lieferte mir die Erkenntnis schlechthin. Als ich in einer Unterhaltung – wir waren zu fünft – zweimal erfahren musste, dass mein Gesprächspartner sich mitten in einem Satz, den ich sagte, abwandte zu einem anderen, war ich zunächst irritiert, dann beleidigt, verletzt auch und später froh, wieder zu Hause mit mir sein zu können. Erst in diesem Alleinsein mit mir tauchten die passenden Fragen auf: Was habe ich eigentlich zu erzählen? Wovon hatte ich gesprochen, als der Gesprächspartner sich abwandte? War es interessant? War es wichtig? Hatte ich es womöglich schon x-mal erzählt?

Es ist nicht schwer zu erraten, dass die besagte Unterhaltung im Kreis mit meinen Kindern stattfand; andere Menschen gibt es in meinem Leben nicht, oder kaum. Mit den geschilderten Überlegungen war mir auch klar, was ich bereits lange Zeit zuvor rational für mich geklärt hatte: Die Kinder leben ihr Leben, in dem ich Gast sein darf. Und sie sind nicht verantwortlich für mein Wohlbefinden. Ja, und erst recht kann ich nicht ständig über meine Arbeit und persönlichen Alltagsbelange sprechen, wenn wir in lustiger Runde gesellig beisammen sind, und dafür ihre Aufmerksamkeit einfordern. Diese gemütlichen Kreise sind kein Parkett für derartige Gespräche. – Das Bild hing schiefer denn je, und ich ging ganz tief in mich.

Foto v. Tatyana Kazakova, Samara/Russia  #pixabay.com
Der Mensch braucht einen Zeugen im Leben. Einen anderen Menschen, mit dem er sein Leben hautnah teilt. Einen, der Anteil hat, Interesse, Mitgefühl. Einen, der auch Spiegel ist, der kritisiert, hinterfragt, widerspricht und zum Reflektieren aktiv beiträgt. Darüber hinaus sollte das Leben aus mehr als Arbeit und Alltag bestehen. Schließlich gibt es Freizeit, mag sie noch so knapp bemessen sein.
Für mich resultierte aus all dem, dass es an der Zeit ist, mein Leben außerhalb zu gestalten. Versuche, über VHS-Kurse mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, scheiterten am laufenden Band. Es war offenbar nicht der richtige Weg. Zum Ausgehen allein ohne Begleitung bin ich nicht geschaffen, an Kneipen habe ich kein Interesse. Eine Vereinsmeierin bin ich ebenso wenig; und was sollte ich auch machen? Kegeln? Bowlen? Nordic Walking? Turnen für Ü50? Tanzen für Senioren? Alles nicht meine Welt, denn als Seniorin empfinde ich mich nicht. Ich will kein „Etikett“, ich bin einfach Mensch. Was also tun, um frischen Wind in mein Leben zu bringen?
Mir ist das Richtige eingefallen: Alte Verbindungen auf ihre Qualität hin prüfen und vielleicht darauf aufbauen anstatt immer wieder Anlauf für Neues zu nehmen. Für mich heißt das, wieder Musik zu machen. Ich erfülle mir damit gleichzeitig den Wunsch, einer Gemeinschaft anzugehören, die gemeinsame Interessen hat und Ziele verfolgt, in der es ebenso konzentriert und spannend wie lustig zugeht. Mein Schritt in die richtige Richtung!

Fazit: Jederzeit selbstverantwortlich für die Qualität unseres Lebens(alltags)
Wir, die wir allein leben – selbst gewählt oder nicht, das tut nichts zur Sache – sollten niemandem unseren Alltag und die Erlebnisse am Arbeitsplatz verbal ungebremst um die Ohren hauen, sofern der-/diejenige nicht Teil davon ist und gleiches Recht uns gegenüber hat. Dieses Bedürfnis befriedigen wir am besten in einer frei gewählten Lebensgemeinschaft, sei es nun eine Partnerschaft oder eine Wohngemeinschaft. Mit einer Einschränkung: In keinem Fall andauernd und penetrant, selbst in einer Partnerschaft nicht. Wie stets kommt es auf die Dosis an.
Sich damit im Leben der Kinder auszubreiten ist ebenso verkehrt wie dies in einer Freundschaft zu tun. Höflich werden die Kinder so etwas ertragen, aber ich vermute, auch froh sein, wenn man wieder seiner Wege zieht. Und eine Freundschaft ist sicher dazu da, sich vertrauensvoll auch mal Kummer von der Seele zu reden und sich in der Krise Rat und Unterstützung zu holen. Im Wesentlichen jedoch vereinen uns in einer Freundschaft gleiche/gemeinsame Interessen, ähnliche Wertvorstellungen, Prinzipien und geteilte Freude am Sein. Alltags- oder Berufsrapport veröden eine Freundschaft bis hin zur Auflösung.

Wenn im Leben nichts anderes mehr zu existieren scheint als das, wird es Zeit für Veränderung. Die Qualität unseres Lebens bestimmen wir immer selbst und sind dabei nicht allein von unseren finanziellen Möglichkeiten abhängig. Wo uns Geld fehlt, lassen wir Kreativität und Mut walten. Am Ende, davon bin ich überzeugt, sind wir auch im Kreise der Kinder, in Freundschaften und ganz sicher auch für neue Verbindungen wieder interessante (Gesprächs-)Partner und mehr…
[31. Juli 2016 by AF]



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Erinnerungen eines Engels






Bild von Diego Torres (United Kingdom) www.pixabay.com


Es kommt im Laufe der Zeit noch mehr als der folgende Auszug...



"Seine Flügel kamen ihm vor wie schwere Gewichte. Er trottete zur Himmelspforte und klopfte an. Es dauerte geraume Zeit, bis von drinnen ein Schlurfen zu hören war.
Petrus öffnete das Tor und schaute den kleinen Engel verwundert an.
„Was willst du denn?“, fragte er mit seiner tiefen, brummigen Stimme und runzelte die Brauen, sodass sie über der Nasenwurzel zusammenstießen.
Der Engel schaute mit leeren Augen und blassem Gesicht zu ihm auf.
„Ich habe es satt, ein wunderbarer Mensch zu sein“, sagte der Engel leise und traurig.
Die Augenbrauen, die gerade noch über der Nase einen durchgehenden haarigen Balken gebildet hatten, zuckten erschreckt auseinander und in die Höhe. Hatte er richtig gehört?
„Du bist kein Mensch!“, sagte Petrus nicht ohne eine Spur der Entrüstung in der Stimme.
„Aber ich lebe unter ihnen“, entgegnete der Engel. „Sie halten mich für einen, und ich seh ja auch so aus und lebe wie einer.“
„Du aber bist ein Engel, ein auserwählter“, meinte Petrus milde und setzte sich auf die kleine weiße Bank neben der Himmelspforte.
Der Engel nahm Platz neben ihm, ließ die schmalen Schultern mit den Flügeln sinken und schaute auf seine sanft baumelnden Beine. Was wusste denn der olle Petrus, wie es ihn ihm ausschaute.
„Aber Engel haben auf der Erde nix zu suchen. Die Menschen erkennen mich nicht, sie anerkennen mich nicht und – schlimm genug, dass sie einander weh tun – das schmerzt mich schon arg, und sie tun auch mir sehr weh. So unsinnig, unnötig, überflüssig und gemein.“
Petrus erkannte die Not des Engels. Doch dass ein Engel aufhören wollte, ein Engel zu sein, das hatte es noch nicht gegeben. Das durfte es nicht geben.
„So“, meinte er deshalb kritisch, „du willst Anerkennung, mhm?  Du willst als Engel angesehen und auch so behandelt werden. Das ist anmaßend von dir. Gott hat dich mit einer besonderen Gabe und einer wunderbaren Aufgabe auf die Erde gesandt. Du solltest dich dieser Ehre dankbar erweisen.“
Der Engel wandte Petrus das Gesicht zu und schaute ihn mit seinen traurig leeren Augen lange an.

„Aber Petrus, ihr habt mich als Menschenwesen auf die Erde geschickt... dabei war ich einmal ein Tautropfen auf einer wunderschönen Wiese. Ich erneuerte mich stetig und erfreute mich des Sonnenglanzes...“

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Montag

Hilf dir selbst






MUSKEL- und GELENKSCHMERZEN

Infos und Übungen, die helfen





Erfahrungsbericht
„Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ – das sind keine leeren Worte. Vielleicht mögen manche Menschen ja anzweifeln, dass es ‚Gott‘ ist, der uns unterstützt, wenn wir die Dinge selbst und eigenverantwortlich in die Hand nehmen, aber dass Selbsthilfe ein befreiender, inspirierender und sogar heilender Akt sein kann, haben sicher viele schon erfahren. Und genau um letzteren Aspekt, nämlich ‚Heilung‘, sprich Gesundheit, geht es in diesem Beitrag.
Ich selbst bin ein Fan von Selbsthilfe. Es gibt eine ganze Reihe von Gründen dafür, warum ich heutzutage generell zur Selbsthilfe schreite, bevor ich Hilfe suche.

Kleiner Rückblick
Es gab Zeiten, da konnte ich mir Hilfe nicht leisten. Insbesondere für meine Gesundheit. Physikalische Therapien sind seit Jahrzehnten schon zuzahlungspflichtig, und ich habe Phasen erlebt, da mir eben dieses Geld fehlte. Hinzu kam, dass ich beim Arztbesuch selten ein offenes Ohr dafür fand, in Zusammenarbeit zwischen Arzt, Physiotherapeut und mir, als Patientin, eine Lösung zu finden, damit die Beschwerden dauerhaft verschwinden. Heute weiß ich, dass das Mediziner-Ohr durchaus geöffnet, aber die Zeit für eine Besprechung über so etwas immer zu knapp war. Und ich bin mit dieser Geschichte sicher kein Einzelfall.
Mehr Unterstützung fand ich in den Gesprächen mit Physiotherapeuten. Die erhaltenen Informationen und hilfreichen Tipps ergänzte ich im Laufe von vielen Jahren mit dem Studium entsprechender Fachliteratur. Ein Patient, der die Zusammenhänge versteht, kann auch die Übungen der Krankengymnastik für sich sinnvoll und hilfreich umsetzen bzw. sein Verhalten im Alltag so verändern, dass Beschwerden nur noch selten auftreten – falls überhaupt.

Lichtblick
Den Dipl.-Sportwissenschaftler Jan Lingen entdeckte ich im Internet über seine Website.
Nach langer Zeit, die ich mit meiner PC-intensiven Arbeit am Schreibtisch verbrachte, plagten mich mal wieder diverse Beschwerden. Insbesondere die rechte Schulter schmerzte arg und ließ mich nachts nicht schlafen. Die Frage, ob ich das Problem einem Arzt vorstelle oder mich um Selbsthilfe kümmere, war schnell beantwortet. Eine Physiotherapeutin gab mir eine kleine Übung an die Hand, mit der ich schon mal das schlimmste Problem etwas reduzieren konnte: den Schmerz. Doch die Wochen zogen dahin, und wirklich gut wurde es nicht mit der Schulter.
Bei meiner Google-Suche in Sachen „Schulterschmerz“ stieß ich sofort auf die Seite von Jan Lingen und entdeckte auf Anhieb eine kurze Erläuterung, die mein Problem zutreffend beschrieb sowie passende Anleitungen zur Selbstmassage. Ich zögerte keinen Moment, damit zu beginnen, entdeckte die schmerzhaften kleinen Knötchen und auch Triggerpunkte und begann konsequent diese zu massieren, wobei die Schmerzen täglich weniger wurden.
Vielleicht hat Herr Lingen ja auch schon ein Buch geschrieben, überlegte ich und sah mich auf seiner Internetseite danach um. Nein, ein Buch gab es nicht. Die gut aufgebaute Internetseite mit den einfach verständlichen Beschreibungen der Schmerzsyndrome, Muskeln und ihrer Verbindungen zueinander sowie die Möglichkeiten, Schmerzen zu minimieren und zu beseitigen, und die Videoanleitungen fand ich derart aufschlussreich, dass ich Kontakt zu ihm aufnahm. Mit der Anregung, das Ganze in Buchform zu veröffentlichen, fand ich eine bereits offene Türe bei ihm. Er plante bereits, das Buch mit dem Inhalt seiner Website zu schreiben.


eBook zur Website



Das Buch
Inzwischen durfte ich Jan Lingen bei der Erstellung seines eBooks 


unterstützen. Auf über 500 Seiten präsentiert er den vollständigen Inhalt seiner Website als eBook im nutzerfreundlichen PDF-Format.
Das schafft die Möglichkeit, die sinnvollen und hilfreichen Anleitungen, die mit zahlreichen Bildern ausgestattet sind, jederzeit unabhängig von Funknetz und WLAN zur Hand zu haben. Mit wenigen Klicks findet der Leser auf Anhieb die für sein Problem passenden Informationen und sehr gut verständliche, unterstützende Anleitungen zur Linderung und/oder Beseitigung der Schmerzen.
Da es sich in den meisten Fällen um Schmerzen durch verspannte Muskulatur handelt und/oder solche, die durch Triggerpunkte verursacht werden, können durch die empfohlenen Übungen bei konsequenter Durchführung die Beschwerden deutlich verringert und sogar beseitigt werden. Konsequentes und beharrliches Handeln sind hierbei Trumpf. Was dabei genau zu berücksichtigen ist, lesen Sie im eBook von Jan Lingen.
Selbstverständlich verweist Jan Lingen in seinem eBook immer wieder auch darauf, dass ein Arztbesuch oder die Konsultation eines erfahrenen Physiotherapeuten unbedingt empfehlenswert sind, wenn nicht eindeutig abgeklärt ist, welchen Ursprung die Beschwerden haben.
Insgesamt hat Jan Lingen ein Buch konzipiert, das jedem Laien Informationen über die Zusammenhänge von Körper und Schmerz vermittelt und Übungen zeigt, mit denen jeder von uns Hilfe zur Selbsthilfe praktizieren kann.

Ich kann aus eigener sehr guter Erfahrung nur bestätigen, dass das funktioniert. Aus diesem Grund arbeite ich persönlich weiterhin mit dem Massageball und gehe zurzeit – nach der erfolgreichen Beseitigung der wirklich äußerst unangenehmen Schulterschmerzen – auch die Schmerzen in Armen und Händen sowie im unteren Rücken an. Mit zunehmendem Erfolg.



Über den Autor:


Jan Lingen ist diplomierter Sportwissenschaftler mit Universitätsstudium, Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation, außerdem Sport- und Körpertherapeut. Er ist Autor von painotopia.com und „The Role of Testosterone in Nutrition and Sports: An Overview“ (erschienen in Nutrition and Enhanced Sports Performance) sowie natürlich Muskel- und Gelenkschmerzen.de.




Hinweis zu den Bildern:
Fotografien: Jan Lingen ©
Fotograf: Franz Schlegl





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Donnerstag

Das Spotsrock-Lektorat



Die Grundlage für eine gute und günstige Manuskriptbearbeitung




Foto by mysticartdesign pixabay.com




Manuskriptformatierung
Autoren und Autorinnen sind bestrebt, ihr Manuskript möglichst perfekt vorzubereiten. Insbesondere trifft das auf die Selfpublisher zu, die ja ihr Buch verständlicherweise am liebsten vollkommen im Alleingang ans Licht der Öffentlichkeit bringen möchten. Sie wenden daher viel intensive Arbeit auf, es vollkommen und schön zu formatieren.
Die Arbeit mit Word (oder ähnlichen Schreibprogrammen) ist jedoch ziemlich komplex. Die Programme bieten eine ganze Palette von Möglichkeiten zur Voreinstellung, Korrektur etc., die nur den wenigsten Autoren/Autorinnen geläufig ist. 

So führt die eigenständige Formatierung häufig zu Fehlern: die Abstände zwischen den Wörtern sind teilweise viel zu groß, Silbentrennungen sind nicht korrekt, Abstände zwischen den Absätzen werden mit Leerzeilen hergestellt, Einrückungen mit Leertastenbetätigung oder Tab-Sprüngen eingefügt, Überschriften nicht einwandfrei formatiert, sodass nachfolgender Text später im Inhaltsverzeichnis mit erscheint, Bilder sind in den "freien", durch Leerzeilen geschaffenen Raum eingefügt, sie flattern samt der Bildunterschriften kreuz und quer über die entsprechende Seite oder verschwinden sogar, Seitenzahlen fehlen oder sind nicht korrekt dargestellt, Seitenränder stimmen nicht… die Liste könnte noch länger sein. Ich nenne hier nur die wesentlichsten bzw. häufigsten Fehler.

Besonders tückisch sind "Abschnittswechsel". Viele Autoren und Autorinnen setzen einen solchen bei jedem Seitenwechsel, was nicht korrekt ist. Der Abschnittswechsel beinhaltet eine besondere, vom Schreiber festgelegte Eigenschaft, die sich auf nachfolgende Inhalte auswirkt/auswirken soll und eine vorherige Einstellung (ggf. vollständig) aufhebt. Wer das nicht weiß, baut hier unbeabsichtigt Fehler in sein Manuskript, die später leider nicht mit nur einem Mausklick zu korrigieren sind, sondern Zeit kosten.



Foto von Hans Braxmeier (Neu-Ulm) pixabay.com

Nicht selten fallen die Mängel in einem Buchblock auf, wenn er beim Verlag (z. B. bei tredition) hochgeladen wurde. Entweder scheitert bereits der Ladevorgang oder die Mitarbeiter melden dem Autor/der Autorin nach ihrer gewissenhaften Prüfung, dass es Fehler und/oder Mängel gibt, die der Behebung bedürfen. Rasch begibt sich manche/r an die Bearbeitung, packt leider unabsichtlich weitere Fehler hinein. 
Spätestens dann wird klar, dass professionelle Hilfe vonnöten ist.
  
Lektorat
Gleiches gilt für das Lektorat des Textes. Spätestens wenn Freunde und Bekannte das veröffentlichte Buch gelesen haben, werden sie prompt wohlmeinend die Fehler im Buch aufzeigen. Wenngleich es vermutlich nicht ein einziges vollkommen fehlerfreies Buch gibt, so sollten Fehler doch eine Ausnahme darstellen, die rein menschlich unvermeidbar ist.
In unlektorierten Bücher finden sich leider zu oft noch ungezählte Fehler in Rechtschreibung, Grammatik und Satzbau sowie die fiesen kleinen Tippfehlerchen, wie sie uns allen unterlaufen können. Nicht zuletzt deswegen durchlaufen die Manuskripte bei Verlagen mehrere Korrekturläufe, wobei verschiedene Personen ein wachsames Auge auf das Geschriebene werfen. Nur allzu leicht nämlich, wird der Leser, der den Text bereits kennt, sozusagen "betriebsblind". Zudem täuscht sich unser Hirn und lässt uns Worte vollkommen korrekt lesen, obwohl sich zwischen dem ersten und dem letzten Buchstaben völliger Buchstabensalat befinden kann.

Die ideale Voraussetzung für eine zügige, d. h. zeit- und kostensparende Bearbeitung
Ihres Manuskripts ist dann gegeben, wenn zumindest die drei nachfolgend genannten Bereich 100 %ig erfüllt sind:

Der Text
  1. ist auf einer DIN-Normseite für Manuskripte geschrieben
  2. je Seite 30 Zeilen
  3. mit pro Zeile durchschnittlich 60 Zeichen
  4. sowie in 1,5-fachem Zeilenabstand
  5. keinerlei Formatierung (Überschriften etc.)
  6. Zeilenumbrüche nur bei neuem Absatz
  7. keine Silbentrennung
  8. Flattersatz (d. h. linksbündig)


Die Bilder
  1. bitte nicht einfach kopieren, im Netz herunterladen oder mit PowerPoint o. ä. Programm selbst basteln
  2. Verwenden Sie vorzugsweise eigene Fotografien, Zeichnungen mit einer Auflösung im Idealfall von 300 dpi
  3. Bilder aus Internetportalen können mit entsprechender Lizenz erworben werden (auch hier weiß der Lektor/die Lektorin Bescheid)

Die Tabellen und Grafiken
  1. bitte ebenfalls nicht einfach irgendwo rauskopieren oder runterladen, sondern
  2. durchaus selbst erstellen;
  3. Voraussetzung: Sie können mit der Tabellenfunktion in Word (o. ä. Progr.) gut umgehen.

Ich sage den Autoren/Autorinnen, für die ich arbeite: „Konzentrieren Sie sich einfach nur aufs Schreiben, und überlassen Sie die fachlich-professionelle Vorbereitung Ihres Manuskripts in Buchform für die spätere Veröffentlichung mir (oder einem Kollegen/einer Kollegin).“
Auf diese Weise sparen Sie Nerven und Zeit und erreichen in der Zusammenarbeit mit mir oder einem Kollegen/einer Kollegin am ehesten und unkompliziert ein tolles Ergebnis.

Aber: Was das kostet…
Oft ist der Kostenfaktor entscheidend dafür, ob ein Autor/eine Autorin die Hilfe eines Lektors in Anspruch nimmt. Hier kann ich Ihnen nur raten, auf diese Hilfe trotzdem nicht zu verzichten. Ein paar nahe liegende Gründe liegen sofort auf der Hand:
  1. Sie wertschätzen das, was Sie zu Papier gebracht haben.
  2. Sie möchten, dass Ihr Buch Interesse findet bei Lesern, mit anderen Worten
  3. …dass es sich verkauft.
  4. Unterschätzen Sie den Anspruch Ihrer potenziellen Leser bitte nicht.
  5. Bedenken Sie - last but not least -, dass Selfpublisher immer noch allzu gern belächelt werden, weil manche Menschen glauben, dass sie geringwertige Literatur veröffentlichen. (Was natürlich überhaupt nicht stimmt.)


Über einen Preis für die Arbeit am Buch kann man mit den meisten Lektoren/einer Lektorinnen sprechen, und bisher ist es mir persönlich in den allermeisten Fällen gelungen, eine für beide Seiten angenehme Vereinbarung für die Zahlung der erbrachten Leistung zu treffen. 
Ganz sicher werden Sie in jeder Hinsicht nicht baden gehen, wenn Sie sich einem Lektor/einer Lektorin anvertrauen. Viele andere Autoren/Autorinnen, die mit mir gearbeitet haben, werden Ihnen dies gern bestätigen. 

Also, scheuen sie nicht den Kontakt zu einem Lektor, wenn Sie die bestmögliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Buchveröffentlichung schaffen möchten. 





Foto von Thomas Malyska
pixabay.com



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Chopin, Ashkenazy und ich...


Foto von Thomas B. aus Köln #pixabay.com



Geburtstagsüberraschung

Er konnte nicht wissen, was mir Klavierkonzerte bedeuten und erst recht nicht, wer Vladimir Ashkenazy ist. Wenn er Geschenke machte, war er intuitiv wie ein Kind. Er verließ sich auf sein Gefühl. Das zeigte sich ganz besonders, wenn er Geschenke machte. Ich erinnere mich nicht, dass er mir je etwas schenkte, das mich nicht überrascht hätte. Nicht den Hauch einer Ahnung gab es für mich vor Geburtstagen und Weihnachten. Immer durfte er den Augenblick meiner totalen Überraschung genießen. Das war schon faszinierend. Für dieses Geschick liebte ich ihn.
Köln. Philharmonie. Zwei Karten für eine Vorstellung Vladimir Ashkenazys...
Ich hab nur... war wohl etwas spät...“ stammelte er verlegen und wedelte mit einem Umschlag in der Hand herum, den er dann mir übergab.
Natürlich hatte ich keine Ahnung, was der Umschlag enthielt und warum er glaubte, zu spät zu sein. Zu spät für was? Für wen? Mein Geburtstag war heute. Mich konnte er nicht meinen, dachte ich und lächelte vor mich hin.
Ich öffnete den Umschlag und entnahm ihm zwei Eintrittskarten für die Philharmonie. Der Name des Pianisten sprang mir in die Augen, und alles andere nahm ich nicht mehr wahr. Ich freute mich unbändig und fiel ihm um den Hals. Ein Klavierkonzert mit Vladimir Ashkenazy. Der große, einmalige und geniale Pianist! Mein Herz schlug Purzelbäume vor Aufregung.
Er nahm mir die Karten ab und zeigte mir, wo wir unsere Plätze haben würden. Da erst verstand ich, was er gemeint hatte.
Wir werden hinter der Bühne sitzen“, sagte er entschuldigend.
Mir völlig einerlei!“ entgegnete ich.
Für ein solches Konzert hätte man mich auch im Keller deponieren können mit einem Dosentelefon zum Lauschen.
Ich hab die letzten zwei Karten bekommen und war froh, dass wir wenigstens noch nebeneinander sitzen“, erzählte er. „Aber hinter der Bühne... fand ich schade.“
Das macht wirklich nichts“, betonte ich nachdrücklich. „Du ahnst ja nicht, was es mir bedeutet, Ashkenazy live überhaupt hören zu dürfen. Dankeschön!“
Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte, dass ich sogar den allerbesten Platz der Welt haben würde.

Das Konzert


... die Philharmonie war ausverkauft bis auf den letzten Platz. Eine wahnsinnige Kulisse! Und dann betrat der Meister die Bühne. 
Ashkenazy ist nicht von großem Wuchs. Eher klein. Mit Vorsicht und Bedacht setzt er einen Fuß vor den anderen, als er zum eleganten schwarzen Flügel schreitet. Sein Lächeln ist umwerfend bescheiden. Jede seiner Bewegungen drückt Demut aus. Und dann sitzt er am Flügel, hebt die Hände auf die Tasten und das anwesende Publikum der Philharmonie verstummt vollends.

Kunst wie nicht von dieser Welt


Ich sitze oberhalb der Bühne gleich hinter dem Maestro und kann ihm über die Schulter auf seine wunderbaren Hände schauen. Der erste Ton erklingt und gleichzeitig scheint ein Lichtspot ihn, den Flügel und mich in ein und dasselbe Licht zu hüllen. Ich bin völlig allein mit Ashkenazy und Chopin... kein Raum, keine Zeit, nur die Poesie der Kompositionen eines Genies und die Interpretation dieser Werke durch einen einzigartigen Künstler.
So vergingen fast zwei volle, wunderbare Stunden. Ich war verzaubert. Wir schoben uns mit der Besuchermasse aus dem Gebäude, doch ich nahm überhaupt nichts um mich herum wahr. Die Musik erklang noch immer in mir. Ashkenazy hatte mich hypnotisiert, und ganz besonders Chopin hatte mich elektrisiert.
Die Wirkung dieses einmaligen Erlebnisses hielt noch Wochen an. Wenn ich die Augen schloss, war ich wieder allein auf der Welt mit dem Pianisten und der Musik.
Zeitlos. Körperlos. Nicht von dieser Welt...
Ein Wunschgedanke? Ganz bestimmt auch das!


[© 2007 by af]


* * *

Von der Freundschaft


Foto von rihaij


Eine Freundschaft steht auf dem Prüfstand.
Eine Alltagsgeschichte, wie sie viele schon erlebt haben, denke ich. Oder?

Mir kam in einem sehr traurigen Augenblick sogar der Gedanke, dass Tiere die besseren Freunde sein könnten und ich mir vielleicht einen Hund oder ein Pferd zulegen sollte. Ich habe keinen Moment ernsthaft an die Umsetzung dieses aus Frust und Traurigkeit geborenen Gedankens gedacht. Aber allein, dass dieser Gedanke kam, hat mich sehr nachdenklich gemacht.
Und diese Nachdenklichkeit trägt inzwischen Früchte...


Die Freundin


... Sie hört einfach nicht mehr zu. Entweder quatscht sie in meine Sätze hinein oder sie würgt das Gespräch ab, indem sie Eiligkeit signalisiert. Sie merkt nicht, dass ich kaum noch etwas sage.
Wenn sie drauflos quatscht, obwohl mein Satz (so ich denn zu Wort komme) noch nicht beendet ist, breche ich manchmal selbst einfach ab. Dann halte ich den Hörer in die Luft, spüre einen kleinen Frust über ihr Verhalten, höre dann wieder zu. Es ist schon einerlei, was sie gesagt hat, denn es dreht sich immer nur um sie und das immer Selbe, was sie tut oder zu tun beabsichtigt...

Ich glaubte eine lange Zeit, das sei ein vorübergehendes Phänomen. Weil es ja auch nicht immer so war, glaube ich jedenfalls. Aber es änderte sich nicht. Es ging weiter so...

..Sie erfährt nicht, was in meinem Leben passiert. Sie weiß nicht, was mich bewegt, was ich plane, wovon ich träume, wohin ich will. Sie fragt nicht. Und ich werde nicht gehört und fühle keine Lust mehr, ihr davon zu erzählen. Es fehlt jegliche Reflexion, ein Nachfragen später, das von Interesse geprägt sein sollte.
Und so fragt sie auch nichts zu den Dingen, von denen ich ihr berichtet hatte, wenn ich denn zu Wort kam. Ereignisse, die mich betreffen, bewegen, beschäftigen. Sie hört mich, das mag wohl sein, wenn ich die Chance habe, aus eigenen Stücken davon zu erzählen, oder wenn ich ihr davon schreibe. Aber das wurde allmählich seltener. Meine Lust, mich ihr mitzuteilen hat sich verkrümelt. Meine Lust auch, ihre Tagesrapporte zu lesen (letztlich waren es dann gar Rundmails) löste sich in Wohlgefallen auf.
Sie will nicht wissen, welches "Geheimnis" mich beschäftigte, das ich ihr vor geraumer Zeit in einer Mail angekündigt hatte. Oh, nichts Weltbewegendes, aber für mich sehr Wichtiges. Sie fragt nicht, was das sein könnte. Sie fragt auch nach Monaten nicht, was denn daraus geworden ist. Mich würde das interessieren, wäre es umgekehrt der Fall; und als Freundin hätte ich nicht locker gelassen, es herauszubekommen, teilzuhaben und mich mitzufreuen.
Ich warte auch noch immer auf ihre Meinung, wie ihr der Film gefiel, den ich ihr schenkte, weil ich dachte, dass er ihr genauso viel Freude bereiten würde wie mir. Ich weiß nicht mal, ob sie es überhaupt geschafft hat, ihn sich anzuschauen, müde wie sie immer ist...


Freundschaft am Ende?


Diese "Freundschaft" vegetiert vor sich hin wie eine ausgelatschte Ehe, in der sich die Partner nichts mehr zu sagen haben. Sie reden wohl noch, aber nicht mehr miteinander. Sie stülpen einander gerade noch den Alltagskram über. Keiner von beiden weiß mehr, was im anderen wirklich vor sich geht, welche Wünsche er hat. Auch Veränderungen nimmt man nicht mehr wahr.

Jetzt spüre ich keinen Impuls mehr, zum Telefonhörer zu greifen und anzurufen. Davon abgesehen habe ich keine Lust, irgendwas von mir zu erzählen. Mir fehlen die Worte.
Und ihren Anruf will ich auch nicht. Ich will keine Alltagsrapporte hören und an einer Stelle, wo ich gegebenenfalls etwas sagen könnte, das über "mhm" und "ach, ja" oder Ähnliches hinausginge, abgewürgt werde mit "...ich muss jetzt auflegen, weil...". Dabei war sie es, die angerufen hatte.

Kürzlich hat sie geschrieben. Eine Karte. In der steht, dass es eigentlich ein Brief werden sollte. Wurde es aber nicht, denn "...du weißt ja, was bei mir immer los ist...", und der Text geht kurz weiter und könnte ersetzt werden mit ich+ich+ich+ich. Nicht eine Frage danach, wie es mir geht oder was ich tu.

Ich bin wahrlich kein kleinlicher Mensch. Ich bin verständnisvoll und nachsichtig.
Aber die Einseitigkeit, die ich in meinen so genannten "Freundschaften" (zumindest nahm ich bis jetzt an, dass es welche wären) inzwischen erkannt habe, kann ich nicht mehr akzeptieren.
Ich habe einen anderen Anspruch an eine Freundschaft. Ich will Dialog. Lebendigen Austausch - nicht von Alltagskleinigkeiten, sondern über die Dinge, die jede/n auch im Innern beschäftigen. Und das kann sich nicht auf die Arbeit beschränken oder darauf, dass Gegenstände und/oder Papiere von A nach B bewegt werden. Das Leben besteht schließlich aus mehr als Arbeit, Haushalt und Pipapo.
Es gibt zum Beispiel Hobbies... Es gibt ... Veränderung ... ich verändere mich. Vielleicht ist das der Punkt?


Veränderung


Früher war ich die, die willig und ausdauernd jedem und allem zuhörte und den/m anderen zuredete - oder nach dem Schnabel sabbelte. Ich stärkte die Motivation des/r anderen. Ich blickte zu allen auf.
Währenddessen lud mancher lediglich alles bei mir ab. Man holte sich Bestätigung, Anerkennung und "Licht", manchmal auch viel mehr und/oder versenkte jede Menge Seelenmüll in meinen Trommelfellen. Oder man braucht schlicht einen "Zeugen für sein Leben". (Wird interessant geäußert von Susan Sarandon im Film "Darf ich bitten", nachdem sie einen Detektiv auf ihren Mann angesetzt hatte; ihr Argument ist nicht von der Hand zu weisen. Über die Qualität des Films und der Geschichte an sich mag man geteilter Meinung sein, aber diese eine Sequenz, wo sie über den Grund, weshalb ihr die Ehe mit ihrem Mann wichtig ist, spricht, ist wirklich gut.)

Ich stehe für derlei  einseitige "Dienste" von bloßem Zuhören (reden um des Redens willen), Anbetung, Seelenmüllversenken etc. nicht mehr zur Verfügung. 


Foto von unsplash (GB) pixabay.com


Alltagskrempel und "...ich bin ja so furchtbar beschäftigt und habe keine Zeit..." - so etwas ist bei mir nicht mehr unterzubringen.
Anerkennung und Bestätigung sowie Trost für selbstverursachte Seelenqual und die Unfähigkeit (besser: den Unwillen), sich daraus zu befreien, das gibt es bei mir auch nicht mehr. (Eindrucksvollstes Beispiel: 104   Briefe an dich; erschienen bei tredition). Und die angenehme, auf die Ferne rein virtuell gelebte "Freundschaft", die nur einseitig ihren Zweck erfüllt? Nein, danke! Ohne mich.

Irgendwann muss Schluss sein mit einer fast devoten Fügsamkeit, die mir anerzogen wurde.
Ansonsten ginge ich irgendwann daran kaputt. Und letztlich ist mir auch die Zeit, die mir auf Erden gegeben ist, für solchen Unfug schlicht zu kostbar.


Zum Thema Freundschaft sagt Khalil Gibran etwas Zutreffendes:

"...Denn was ist ein Freund, wenn ihr ihn nur aufsucht, um die Stunden totzuschlagen?
Sucht ihn auf, um die Stunden mit ihm zu erleben.
Denn er ist da, um eure Bedürfnisse zu befriedigen, aber nicht, um eure Leere zu füllen.
Und in der Süße der Freundschaft lasst Lachen sein und geteilte Freude..."

(Zitat aus "Von der Freundschaft" - Der Prophet; Khalil Gibran)

Das muss man ein bisschen für sich interpretieren, um es zu verstehen. Oder für sich selbst zeitgemäß "übersetzen", denn Gibran bedient sich einer wundervollen Sprache, die heutzutage nicht mehr vielen vertraut ist.


Bekannte und Freunde


Einen einzigen Menschen kenne ich, den ich aus heutiger Sicht als wahren Freund bezeichne.
Unsere Gespräche sind von Offenheit und Tiefgründigkeit sowie Vertrauen geprägt. Das ist die Basis, auf der wir auch absolute Ehrlichkeit praktizieren. Seine Kritik ist manchmal schmerzhaft, aber immer liebevoll konstruktiv. Er ist oft das Auge, das ich gern verschließe und der Mund, der ausspricht, was ich gern verweigere zu sagen. Mit ihm als Freund ist es leichter, auch den unangenehmen Wahrheiten im Leben zu begegnen.
Und wir lachen viel, miteinander und übereinander und über die Welt, oder auch über das, was man Gott nennt. Der lacht dann mit.


Jeder hat Bekannte, sagte mir ein früherer guter Freund. Die hat man eben, und Bekannte heißen sie, weil man sie kennt. Freunde so führte er weiter aus, gibt es nur wenige. Haste einen, pflege ihn.

Tja, ich glaube, mancher Freund ist letztlich nur ein Bekannter, oder eine Freundin eine Bekannte.


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Und überdies ist es auch so, das uns manche Menschen nur eine Phase unseres Lebens begleiten; dann zieht ein jeder weiter auf dem Weg der ihm vorbezeichnet ist - ohne den anderen.


[Sept. 2016 AF]